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§§ SIEMENS
ZEITSCHRIFT
SIEMENS & HAISKE AG SIEMENS-SCHUCKERTWERKE AG
20. JAHRGANG • BERLIN • SEPT./OKT. 1940 • HEFT 5
Das September-Oktober-Heft des vorigen Jahres eröffneten wir mit einem Geleitwort unter dem Titel Elektrotechnik und Faserstoff-Industrie.
Es wurde in dieser Einführung darauf hingewiesen, welche umfangreichen Aufgaben die gesamte Faserstoffindustrie der Elektrotechnik gestellt und wie umgekehrt die Elektrotechnik durch Lösung dieser Aufgaben Anregungen zu erweiterter Tätigkeit und neuen Entwicklungen erhalten hat. Die beiden in ihren Ausgangsstoffen teilweise verwandten und in vielen Antriebsfragen ähnlichen Gebiete der Papier- und Textilindustrie sind als Faserstoffindustrie zusammenzufassen. Während wir nun im vorigen Jahr die Papierindustrie in einem Heft behandelt haben, ist das vorliegende Heft der Textilindustrie gewidmet. Die Textilindustrie steht heute nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Staaten vor mannigfaltigen Aufgaben, die durch die Neuordnung des Rohstoff-Haushaltes aufgeworfen wurden. Die Lösung dieser Aufgaben führt zu einem verstärkten Einsatz der Technik, wobei auch der Elektrotechnik eine bedeutende Rolle zufällt. Es sind nicht nur energiewirtschaftliche Fragen der verschiedensten Art zu untersuchen, sondern auch neue Probleme der Antriebstechnik zu meistern. Aus der Fülle dieser Fragen behandeln die folgenden Aufsätze einige Ausschnitte.
Das Geleitwort ,,Elektrotechnik und Faserstoff-Industrie", auf das hier deswegen noch besonders verwiesen werden soll, faßt diese beiden Sonderhefte gewissermaßen zu einer Einheit zusammen, deren zweiter Teil hiermit unsern Lesern vorgelegt werden soll.
Der Antrieb der Baumwollspinnereien im Wandel der Zeiten
Von Kommerzienrat Dr.-Ing. e.h. F.W. Kuhn, Augsburg.
Die erste erfolgreiche mechanische Baumwollspinnerei entstand im Jahre 1780. Sie wurde von Richard Arkwright, dem Erfinder der Water-Maschine (water frame), mit selbstkonstruierten Maschinen in Cromford eingerichtet und durch ein Wasserrad betrieben. Seine erste Spinnmühle (spin-ning-mill) in Nottingham, die durch Pferde in Bewegung gesetzt worden war, hatte Arkwright vorher wieder aufgegeben, da er diese Triebkraft zu kostbar fand.
Arkwright brachte es fertig, daß die Kardmaschine ein Band lieferte; er ließ diese Slivers genannten Spinnstoffbänder zu vieren fünfmal durch Streckwerke laufen und führte sie dann Vorspinnmaschinen zu, bei denen sie verlängert bzw. verfeinert wurden, ehe sie auf die Spinnmaschine kamen. Alle diese Zwischenbehandlungen hat Arkwright herausgebracht und zu einem Fließbetrieb vereinigt. Dadurch ist er der Gründer der „mechanischen Spinnerei" geworden. Denn diese unterscheidet sich nicht dadurch von der Handspinnerei, daß die Bearbeitungsmaschinen von einer
Kraftmaschine angetrieben werden, sondern dadurch, daß alle Arbeitsvorgänge, durch welche Baumwolle stufenweise in Garn verwandelt wird, zu einem organischen Ganzen vereint sind.
„Water-Maschine" nannte Arkwright seine Spinnmaschine (Bild 1)'), weil sie mit einem Wasserrad angetrieben wurde, Water-Garn das hergestellte Gespinst. - Als Water-Garn bezeichnet man heute noch hart gedrehtes Kettgarn.
Bild 1. Spinnmaschine von Arkwright.
0 Aus Ii. Brügge mann: zig 1901, S.38.
: „Die Spinnerei." Leip-
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