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JAGDMAGIE IM ALTEN CHINA Ein Beitrag zur Geschichte der Jagd in ChinaVon Walter Böttger, LeipzigBei allen Völkern, die auf einer primitiven Kulturstufe stehen, spielt die Magie in allen Zweigen des täglichen Lebens eine wichtige Rolle. Mit ihrer Hilfe versucht der primitive Mensch, dem ein tieferer Einblick in den gesetzmäßigen Ablauf der ihn umgebenden Vorgänge und Erscheinungen versagt ist, sich seine Umwelt dienstbar zu machen oder wenigstens einen Einfluß auf sie zu gewinnen. Die Völkerkunde bietet dafür unzählige Beispiele, und auch die Vorgeschichtsforschung hat einiges wesentliche Material dazu beigetragen, vor allem durch die Entdeckung der großen paläolithischen Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien, deren Wände sehr häufig große Mengen von Höhlenzeichnungen aufweisen. Diese zeigen zum weitaus größten Teil Tiere, in denen wohl das Jagdwild des Paläolithikers zu vermuten ist. Das geht daraus hervor, daß sich neben oder auf diesen Tierbildern nicht selten symbolische Zeichen finden, die den Wunsch nach Erlegung und Erbeutung dieses Wildes ausdrücken sollen, so zum Beispiel Wurfgeschosse oder Hände. Eine große Anzahl dieser Bilder zeigt absichtliche Beschädigungen, wie Einschüsse von Speeren oder Pfeilen.' Diese Erscheinungen werden von der Vorgeschichtsforschung als Jagdmagie gedeutet; durch die Abbildung und die symbolische Tötung des Tieres im Bilde sollte das Wild angelockt und der Ertrag der Jagd gesichert oder gesteigert werden^.^ Vgl. F. Behn, Kultur der Urzeit, Teil I, Sammlung Göschen Bd. 564, Berlin 1950, p. 41. Daß Jagdmagie auf gleiche Weise noch heute von einzelnen Negerstämmen Afrikas ausgeübt wird, zeigt eine Episode, die Leo Frobenius von einer seiner Afrikareisen berichtet. Die ihn begleitenden Neger erhielten den Auftrag, für die Verpflegung der Expedition eine Antilope zu schießen. Zur Vorbereitung des Unternehmens zeichneten sie die Umrisse des Tieres in den Sand und schössen unter allerlei Zeremoniell eirten Pfeil in den.Hals des Tierbildes. Die Jagd nahm dann genau den so vorbereiteten Verlauf: die Antilope wurde durch Halsschuß zur Strecke gebracht (zitiert nach Behn, Vor- und Frühgeschichte. Wiesbaden 1948, p. 234). Inwieweit das chinesische Schriftzeichen ^ , das nach dem Ku-chou-p'ien 90, 15b/16a auf Orakelknochen und Schildkrötenschalen auftritt und nach Takata ein altes Bild des Zeichens huo ^ jagen ist, auf ähnliche Gedankengänge zurückgeführt werden kann, sei hier nicht diskutiert.