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Erstes Budi
DAS BINSENBOOT 1.
Dieses schreibe ich, Sinuhe, der Sohn Senmuts und seines Weibes Kipa — nicht um die Götter Kemets zu preisen, denn der Götter bin ich überdrüssig —, nicht um Pharaonen zu verherrlichen, denn auch ihrer Taten bin ich müde. Sondern um meiner selbst willen schreibe idi es, weder um Göttern und Königen zu schmeicheln noch aus Furcht oder auch einer Hoffnung auf die Zukunft. Denn im Verlaufe meines Lebens habe ich so vieles erfahren und verloren, daß keine eitle Furcht mich quält, und des Hoffens auf Unsterblichkeit bin ich müde, wie der Götter und der Pharaonen. So schreibe ich dieses nur für midi selbst und glaube, midi dadurch von allen Schreibern der Vergangenheit wie auch der Zukunft zu unterscheiden.
Denn alles, was je geschrieben worden ist, wurde der Götter oder Menschen wegen geschrieben. Ich zähle auch die Pharaonen zu den Menschen, denn sie sind in Haß und Furcht, in Begierden und Enttäuschungen wie wir. Zwischen ihnen und uns besteht kein Unterschied, und würden sie auch tausendmal zu den Göttern gezählt. Und wären sie auch tausend- und aber tausendmal bei den Göttern verzeichnet, so sind sie doch nur Menschen, den andern Menschen gleich. Wohl besitzen sie die Macht, ihren Haß zu befriedigen und ihre Furcht zu fliehen, aber diese Macht bewahrt sie nicht vor Begierde und Enttäusdiung. Dodi was geschrieben worden ist, wurde auf Befehl der Könige geschrieben oder um Göttern zu schmeicheln oder aber um Menschen zu verleiten, an Dinge zu glauben, die nie geschehen sind — oder zu glauben, daß alles anders geschehen sei, als es in Wirklichkeit geschah — oder daß des einen oder andern Anteil an den Geschehnissen größer oder geringer gewesen sei, als es in Wirklichkeit war. Das meine ich, wenn ich behaupte, daß alles, was seit Urzeiten und bis heute geschrieben worden ist, der Götter oder der Menschen wegen geschrieben wurde.
Alles kehrt wieder zum alten zurück, nichts ist neu unter der Sonne, noch verändert sich der Mensch, wenn auch seine Gewänder und die Worte seiner Sprache sich wandeln. Darum glaube ich audi nicht, daß das Schreiben in der Zukunft anders sein wird als bisher, weil auch der Mensch sich nicht verändert. Um die Lügen scharen sich die Menschen wie Fliegen um einen Honigkuchen, und wie Weihrauch duften die Worte des Märchenerzählers, der im Mist an einer Straßenecke hockt. Die Wahrheit aber fliehen die Menschen.