Bővebb ismertető
Zum Geleit
Wer an die Jahre der Inflation zurück denkt, hat das tolle Bild eines höllischen Karnevals vor Augen: Plünderungen und Krawalle, Demonstrationen und Zusammenstöße, Schiebungen und Schleichhandel, quälender Hunger und wüste Schlemmerei, rasche Verarmung und jähes Reichwerden, ausschweifende Tanzwut, schreckliches Kinderelend, Nackttänze, Valutazauber, Hamstern von Sachwerten, Vergnügungstaumel — Genußsucht, materielle Lebensanschauung neben religiöser Versenkung, aufblühendem Okkultismus und Hellseherei, — Spielwut, Spekulationssucht, Scheidungsepidemie, Verselbständigung der Frau, Frühreife der Jugend, Quäkerspeisungen, Studentenhilfe, Razzien und Schieberprozesse, Jazzband, Rauschgifte. Wahrlich, ein grellbunter Jahrmarkt des Lebens!
Es ließen sich wohl noch mehr Schlagworte und Vorgänge, Geschehnisse und Zustände anführen. Was ist nicht alles neu aufgetaucht! Was hat sich damals nicht alles laut und schrill bemerkbar gemacht!
Es war die Zeit einer starken Umwertung — im Wirtschaftlichen und im Geistigen, in materiellen wie in seelischen Dingen. Wer reich gewesen und sich alle Genüsse der Welt hatte gönnen können, mußte plötzlich froh sein, wenn ihm wohlwollende Menschen einen Teller warmer Suppe reichten. Aus kleinen Banklehrlingen wurden über Nacht die „Herren Bankdirektoren", die über scheinbar unerschöpfliche Mittel verfügten. Ausländer, die daheim die allerarm-seligsten Kleinrentner gewesen waren, kormten in jener Zeit in Deutschland plötzlich wie Fürsten auftreten. Alles schien sich umzukehren.
Auch die Familie schien in jähem Zerfall. Ein erotischer Taumel wirbelte die Welt durcheinander. Viele Dinge, die sonst im stillen sich abgespielt hatten, traten in die grelle Öffentlichkeit. Vor allem stellten sich die Frauen auf vielen Gebieten gänzlich um. Sie traten mit ihren Forderungen, besonders auch mit ihren sexuellen Forderungen, viel deutlicher hervor. Sie betonten auf jede Art und Weise ihr Recht auf Leben und Ausleben viel stärker. Galante Skandale traten stärker als sonst ins Licht. Mancher von ihnen war sinnbildlich für die Zeit. Die Nacktkultur beschränkte sich nicht nur auf bestimmte Kreise und auf Revuetheater sowie Kabaretts. Sie drang durch die Mode in alle Schichten: das schöne Bein wurde entdeckt und gern zur Schau gestellt. Schönheitspflege ward überall getrieben. Die Entwicklung ging weiter. Hatte die Frau im Kriege viele männliche Stellen ausfüllen müssen, ließ sie sich nun nicht mehr ganz in die Familie zurückdrängen. Das hatte seinen Einfluß auch auf die Beziehungen der beiden Geschlechter. Und als letztes Ergebnis der Entwicklung entstand die Junggesellin, diese über sich selbst bestimmende Frau, sei sie nun unverheiratet, geschieden oder verwitwet.