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DÄNEMARK
Europa als besonderen Erdteil anzusehen, ist geographisch kaum begründet. Betrachtet man die Erdkugel, so beanspruchen die mittel-, süd- und westeuropäischen Länder kaum soviel Raum wie die arabische Halbinsel. Doch bedeuten jene geschichtlich weit Erheblicheres; in diesem Sinne mag man von Erdteil sprechen.
Das Königreich Dänemark ist bei solcher Wertung, die Europa zu wenigen asiatischen Halbinseln und Inseln mindert, eine kleine mitteleuropäische Halbinsel. Selbst mit Einschluß der Inseln ist Dänemark kaum größer als die Bretagne. Doch kennt auch hier die Geschichte eine tiefere Wahrheit als die, welche nur Flächeninhalte errechnet.
Zerklüftet von Fjord und Sund, in Inseln zerstreut und zu Landspitzen ausgezackt, besitzt Dänemark eine Küstenlinie von rund 4000 km. Hingegen mißt Englands Strandlänge 3445, Frankreichs 2700 km. Solche Zahlen weisen Geschick. Die gewaltige Strandlänge und das kleine Land: hier halten wir zwei Ursachen dänischer Eigenheit und Geschichte. Auswanderung mußte den Grund zu fremden Reichen legen, Eroberungen mußten verloren gehen. Dänische Könige haben England, die Ostseeküste, Schweden und Norwegen beherrscht. Dänemark ist eines der ältesten, doch kleinsten Reiche Europas; die Färöer, eine seiner Amtmannschaften, liegt draußen in der Nordsee, mitten zwischen Großbritannien, Island und Norwegen. Unmittelbar dem dänischen König untersteht die größte Insel unseres Erdballs, Grönland. Auch ist der König von Dänemark zugleich König von Island, das in jüngster Zeit von der dänischen Regierung und dem dänischen Volke seine volle Selbständigkeit erhielt. So begegnet sich in Dänemark Großes und Kleines und kämpft miteinander. Uberall spürt man das kleine Land, von tiefem Meer umgürtet und hohem Himmel überwölbt. Hieraus gewann das Volk seine Art, die dem Ausländer ebenso schwer verständlich ist wie die dänische Landschaft.
Landschaft und Volkscharakter Dänemarks gilt es zu verstehen. Luft und Wasser, diese Elemente des weitstrandigen Landes werden seit langem geliebt; doch der steinerne Kern, die Wucht der Berge wurde erst vor hundert Jahren entdeckt. Jetzt geht man allerwärts ins Gebirge. Der Ski hat altnordische Winterrunen kreuz und quer in die Alpen geritzt und selbst den Pyrenäen eingehackt. Kraft und Schönheit gewährte er dem vorher unzugänglichen Reiche, während das fruchtbare Flachland seinen alten Ehrennamen „schhcht" (flach) wie ein Schimpfwort abwarf.
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