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Ludwig Erhards Wirtschaftspolitik im Frühjahr 1948
Die freiheitliche Wirtschaftsreform, der Ludwig Erhard im Sommer 1948 — parallel zu der von den Besatzungsmächten inaugurierten westdeutschen Währungsreform — zunächst im Gebiet der amerikanisch-britischen „Bizone" zum Durchbruch verhalf, prägt bis heute das Gesicht der Bundesrepublik Deutschland. Einerseits war dieser „Sprung ins kalte Wasser"l) der Einstieg in einen radikalen Umbau der Wirtschaftsordnung2) mit dem Ziel, eine „Soziale Marktwirtschaft" 3) zu etablieren. Andererseits markiert die marktwirtschaftliche Neuorientierung einen entscheidenden Punkt, vielleicht den „point of no return", auf dem Weg der Deutschen diesseits der Grenze zum sowjetischen Hegemonialbereich in die Richtung einer Integration in die amerikanisch dominierte Zusammenarbeit der westlichen Demokratien.
Die Chance, in diesem Rahmen durch die Einbindung in das europäische Wiederaufbauprogramm eine politische Perspektive in Richtung größerer Freiheit und Selbständigkeit zu gewinnen, war ein wesentliches Motiv vieler der damals handelnden deutschen Politiker. Der Kampf um die Durchsetzung der Sozialen Marktwirt-
1) Erhard legte in der Wirtschaftsratsdebatte vom 17. 8. 1948 Wert auf die Feststellung, das Bild vom „Sprung ins kalte Wasser" stamme nicht von ihm (Wörtliche Berichte und Drucksachen des Wirtschaftsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes 1947—1949, Bd. 2, München 1977, S. 797); in der Wirtschaftsratsdebatte um das Leitsätzegesetz am 17./18. 6. 1948 wurde es zuerst von Hoogen (Zentrum), dann von Kreyssig (SPD), Bungartz (FDP), Bucerius (CDU) und nochmals Kreyssig mit unterschiedlichem Wertakzent benutzt (ebd., S. 633, 638, 656, 660, 662).
2) Hans Maier meinte 1977, Erhard sei „bis heute der einzige wirkliche Systemveränderer in der deutschen Nachkriegsgeschichte" (H. Maier, Die Literatur und unsere Wirklichkeit, Vortrag in Berlin am 1. 7. 1977, in: ders., Anstöße, Stuttgart 1978, S. 785 -7%, hier S. 788).
3) Den Ausdruck „Soziale Marktwirtschaft" benutzte zuerst Alfred Müller-Armack, und zwar als Überschrift für den 2. Teil seines Ende 1946 erschienenen, in wesentlichen Partien bereits während des Krieges entstandenen Buches „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft", nachgedruckt in: A. Müller-Armack, Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik, Bern 1976, S. 19 bis 170; vgl. ders., Genealogie der Sozialen Marktwirtschaft, Bern 19812, S. 13. Erhard übernahm den Ausdruck, erstmals wohl in der Wirtschaftsratsdebatte vom 17. 8.1948 (Wörtliche Berichte [Anm. 1], S. 799), dann regelmäßig seit Herbst 1948. Im Wahlkampf 1949 war der Begriff fest etabliert, nicht zuletzt dank der von Erhard entscheidend beeinflußten Düsseldorfer Leitsätze der CDU (nachgedruckt in: Konrad-Adenauer-Stiftung [Hrsg.], Christliche Demokratie in Deutschland, Melle 1978, S. 741-761).
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