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Vorwort
Im Dezember vergangenen Jahres fand aus Anlaß des 80. Geburtstages von Wilhelm Emil Mühlmann ein interdisziplinäres Symposium an der Universität Augsburg statt, das den wechselseitigen Einfluß der beiden sozialwissenschaftlichen Disziplinen Soziologie und Ethnologie zum Thema hatte. Eine besondere Bindung an die durch die Thematik umrissene Wechselbeziehung zwischen beiden Bereichen ergab sich bei allen Referenten und Diskutanten des Symposiums, durchweg Hochschullehrer für Soziologie oder Ethnologie, aus deren früherer Zugehörigkeit zum Heidelberger Institut für Soziologie und Ethnologie, einer Gründung Mühlmanns aus dem Jahre 1960. Die in diesem Band publizierten Originalarbeiten sind zum größten Teil überarbeitete Fassungen der damals vorgetragenen Referate — hier bewußt "un-diszipliniert" in der relativ zwanglosen Abfolge des Symposium-Programms dargeboten: zwecks Vermeidung jedes gerade in diesem Kontext unangebrachten Anspruchs auf strenge Systematik und zur Verdeutlichung des explorativen und transzendierenden Charakters der Beiträge. Diese reflektieren, teils explizit, teils implizit, die fruchtbare Auseinandersetzung und wechselseitige Orientierung, die sich beim grenz- und disziplinüberschreitenden Erkenntnisprozeß ergibt, wobei die Einbeziehung von Anthropologie, Literatur-, Geschichts- und Kommunikationswissenschaft und sogar der bei uns noch unetablierten "Women's Studies" in die soziologisch-ethnologische Aspektstruktur gewissermaßen als kulturwissenschaftliche Selbstverständlichkeit erscheint; sie alle stellen Variationen zum großen Thema "Gesellschaft" dar.
Augsburg, im Sommer 1985 Horst Reimann