Bővebb ismertető
Einführung
die zeit: Der Begriff des Späten Mittelalters, der dieser Darstellung voransteht, bedarf zunächst einer Erläuterung. Wie bei fast allen kunstgeschichtlichen Epochenbezeichnungen handelt es sich auch hier nur um eine lockere Umgrenzung des Zeitraums, der soziologisch mit dem Eintreten des Bürgertums in die kulturelle Entwicklung anhebt und mit dem Beginn der Neuzeit, dem Durchbruch des humanistischen Persönlichkeits- und Weltbewußtseins in der Renaissance endet. Beginn und Ende überschneiden sich mit den angrenzenden Epochen, denn jede Zeit wächst mit all ihren kulturellen Erscheinungen aus lange vorher begonnenen Entwicklungen heraus. Gegenüber der vorausgehenden Zeit des überwiegend feudalistisch bestimmten Hohen Mittelalters mit seiner romanischen Kunst setzt am Anfang des 13. Jahrhunderts ein Aufstieg breitester Volkskreise in Europa ein. Zwar wird die eigentliche Gesellschaft immer noch vom Adel getragen, doch beginnt innerhalb des Bürger- und Bauerntums die Entwicklung eines deutlich umreißbaren Standesbewußtseins, das durch die Beteiligung an bedeutenden geistlichen und profanen Aufgabenstellungen gefördert wird. In den Städten gewinnen die Handwerker und Gewerbetreibenden wirtschaftlichen und politischen Einfluß; der Stadt- und Landbevölkerung öffnen sich Bildungsmöglichkeiten in weit größerem Umfang als früher, mit Aufstiegsmöglichkeiten auch für Söhne von Handwerkern und Bauern zu hohen geistlichen und auch weltlichen Würden und Ämtern. Die städtische und geldwirtschaftliche Entwicklung führt zu einer allmählich sich spürbar durchsetzenden Veränderung der materiellen und geistigen Kultur. Fast symptomatisch steht dafür die Zusammenarbeit aller Volksschichten an der Errichtung von Kathedralen, deren Bau zunächst noch vom Königtum angeordnet, wenig später schon vom Bürgertum aus eigener Initiative weitergeführt und vollendet wird, sowie die Entwicklung der sogenannten Bauhütten, die mehr als nur ein Baubüro, nämlich Träger einer neuen sozialen Ordnung in der Zusainmenarbeit aller Kräfte an einem einzigen Werk sind. Somit umfaßt unsere Darstellung in kunstgeschichtlicher Hinsicht die Entwicklung der Gotik, wobei deren allmähliches Sich-Ablösen aus früheren Voraussetzungen, die vielfältigen Möglichkeiten der Überschneidungen zwischen später Romanik und früher Gotik in dem vorausgehenden-Band über das Hohe Mittelalter behandelt werden.
Zur Grundlage unserer Darstellung auf den Bildseiten dieses Buches haben wir keine streng chronologische Ordnung gemacht, sondern eher versucht, die vielfältigen Durchdringungen verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten zu zeigen, thematische Problemstellungen anzudeuten, deren Kontinuität über alle stilgeschichtlichen Veränderungen hin erhalten bleibt. Mag dadurch mehr der Eindruck eines Kaleidoskops als einer Systematik entstehen, die lebendige Entwicklung der Kunst geht nicht nach abstrakten Schemata vor sich, sondern nach organischen Wachstumsgesetzen mit Rückgriffen und Vorwegnahmen, oft mit ähnlich scheinenden Lösungen in ganz verschiedenen Zeiträumen oder unter