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Editorial
STIMMEN VERSTUMMEN - AUFGABEN WACHSEN
Im vergangenen Dezember ist nach 73 Jahren und 798 Ausgaben zum letzten Mal Die Stimme erschienen, das Mitteilungsblatt der Bukowiner Juden. Sinkende Abonnentenzahlen und finanzieller Druck zwangen den Herausgeber, den Weltverband der Bukowiner Juden, das Erscheinen der Zeitschrift einzustellen. Die Nachricht stimmt traurig und ein wenig melancholisch. Allmählich scheinen die letzten Echos einer längst untergegangenen europäischen Kultur zu verklingen. Auf der anderen Seite ermutigende Nachrichten: Im Februar feierte die Hermannstädter Zeitung mit der 2567. Ausgabe ihr fünfzigjähriges Bestehen, die Allgemeine Deutsche Zeitung erscheint zuverlässig und informiert wie kein anderes Medium in deutscher Sprache über Politik und Zeitgeschehen in Rumänien, in Deutschland erfreuen sich Verbandszeitungen wie die Siebenbürgische Zeitung und die Banater Post einer hohen Abonnentenzahl und entfalten mit ihren professionell gepflegten Internetauftritten eine kaum zu überschätzenden Breitenwirkung. Für das IKGS und die Spiegelungen gilt es, an dieser Stelle für die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit Dank zu sagen. Erst durch das Interesse und die Unterstützung seitens der Medienpartner wird unsere Arbeit auch bei Vertriebenen, Aussiedlern und nachfolgenden Generationen bekannt und - so hoffen wir - geschätzt. Unsere Zugänge unterscheiden sich manchmal - den Idealismus aber teilen wir.
Trotzdem hat das vergangene Jahrhundert eine Menge Leerstellen im Donau-Kar-paten-Raum hinterlassen - und gleichzeitig eine Fülle an Archivalien generiert, deren Umfang und deren ideeller wie wissenschaftlicher Wert sich uns erst langsam erschließt. Am Beispiel Rumäniens möchten wir in dieser Ausgabe aufzeigen, wie viel die Archivlandschaft zur deutschen Geschichte, Kultur und Sprache in Ostmittel- und Südosteuropa zu bieten hat. Es ist so viel, dass sich das von Dr. Michaela Nowotnick betreute Schwerpunktthema »Archive in Rumänien« gleich über zwei Ausgaben erstrecken wird. Bleibend Wertvolles wird, wie nachzulesen ist, oft fernab der breiteren Öffentlichkeit geschaffen: in Seminaren an den Universitäten (z. B. mit dem Projekt »Saxo-nica«), in (halb)privaten Sammelinitiativen oder im Rahmen oft jahrzehntelanger Forschimgs- und Dokumentationsarbeit, wie dies in der vielleicht nicht »trendigen«, aber umso nachhaltigeren Arbeit an den siebenbürgisch-sächsischen und Banater Wörterbüchern geschieht. Oft verkümmern interessante Bestände jedoch unbesehen in einer Ecke, genau dort, wo sie vor Jahrzehnten abgelagert wurden. Wir wollen diese Bestände sichtbar machen und zur wissenschafdichen Nutzung anregen.
Freilich hoffen wir, bald auch aus anderen Ländern und Regionen im Donau-Karpaten-Raum zum Thema »Kulturgutsicherung« berichten zu können. Nicht immer
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