Bővebb ismertető
EinleitungSprichwörter sind so lebendig wie eh und je, mag auch ihre Funktion anders, ihre Zahl geringer sein als vor Jahrhunderten. Gewiß werden sie nicht mehr ohne weiteres als goldene Lebensregeln oder Weisheiten verstanden, sind sie nicht mehr schlechthin unentbehrliche Medien bei der Vermittlung sozialer Erfahrung und Moral von einer Generation zur anderen. Eher ist heute ein freierer, oft sogar spielerischer Umgang mit Sprichwörtern zu beobachten, in dem sich ein überlegenes Verhältnis zu den überkommenen Ausdrücken zeigt. Und dennoch: Wer ein Sprichwort gebraucht, ob im Emst oder spöttisch, ob vollständig oder nur andeutungsweise, darf darauf rechnen, seiner Aussage einen besonderen Nachdruck zu verleihen. Das Prägnante und das Formelhafte des Sprichworts geben ihm nach wie vor eine eindringliche, suggestive Kraft, die im Alltag wie von Presse, Werbung und bei vielen anderen Gelegenheiten ausgiebig genutzt wird. Sprichwörtliches kommt an".Jeder verfügt über einen durchaus nicht kleinen, ihm zumindest bekarmten Sprichwörterschatz, ohne den der Effekt sprich-wördicher Pointen und Anspielungen nicht denkbar wäre. Auf diesen mehr oder minder geläufigen Bestand konzentrieren sich durchweg die in den letzten Jahrzehnten erschienenen Sammlungen und bieten damit nicht sehr viel Nachschlagenswertes, das man nicht ohnehin parat hätte, sondern nur neue Zusammenstellungen - gewöhnlich nach Sachgruppen. Zwar dürfte sich in solchen Sammlungen der größte Teil des heutzutage verbreiteten Sprichwortguts finden, doch gesichert ist selbst dies nicht, denn es mangek an einschlägigen Untersuchungen. Im ganzen tut sich ein eigentümlicher Widerspruch auf: Sprichwörter erfreuen sich.ob variiert oder in ursprünglicher Gestalt, keineswegs geringer Beliebtheit. Auch was andere Völker zu bieten haben, erweckt Aufmerksamkeit, und immer häufiger erscheinen Ausgaben mit Übertragungen, die im einzelnen nicht selten identisch sind mit einheimischen Ausdrücken, denen man in unseren Sammlungen nur nicht mehr begegnet. Was aber eben das Deutsche angeht, so halten sich die für eine breite Öffentlichkeit bestimmten Sprichwortsammlungen derzeit an einen recht schmalen Vorrat, der dem bestehenden Interesse eigentlich nicht gerecht wird. Dabei hat die wissenschafdiche Beschäftigung mit diesem Gebiet sichdich zugenommen, so daß sich - zugespitzt gesagt - mehr über das Sprichwort als an Sprichwörtern selbst nachschlagen läßt. Reprints älterer Sammlungen, kostspielige zumeist, vermögen wohl auf die Dauer eine größere moderne, auf ein reichhaltiges Angebot und leichten Zugriff bedachte Ausgabe nicht zu ersetzen. Was den geflügelten Worten, Zitaten und sprich-wörtUchen Redensarten - die mit umfassenden und zweckmäßig angelegten neuen Sammlungen vertreten sind - recht ist, sollte den Sprichwörtern billig sein. An einem Sprichwörterlexikon fehlt es im Grunde seit Jahrzehnten. Vor gut einem Jahrhundert setzte K. F. W. Wanders monumentales Deutsches Sprichwörter-Lexi-kon" (1867-1880) gewissermaßen den Schlußpunkt hinter die bedeutenden Sammlungen des 16. bis 19. Jh. Seither ist den Sprichwörtern ein meist bescheidener Platz in Zitatenbüchem zugewiesen, während sich die üblichen Sprichwörterbücher in den erwähnten engen Grenzen bewegen, die ihnen überdies schon durch ihre Sach-gruppenordnung gesetzt sind. Diesen recht verbreiteten Ausgaben soll hier nun keine