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VorbemerkungenVieles Gewaltige lebt,doch nichts ist gewaltigerals der Mensch.SophoklesUnendlich ausgedehnt und vom menschlichen Zeitempfindennur mit Mühe zu erfassen ist die Spanne der Jahrtausendezwischen der Entstehung des Menschen in unserer Welt undseinem Flug von dieser Welt in den Kosmos, zwischen denZeitabschnitten, die die Archäologie und die Anthropologieerforschen, und denen, die Astrophysik und Astronautik fürdie Zukunft der Menschheit außerhalb unserer Erde vorberei-ten.Der Mensch oder richtiger die Menschheit als Gattunghinterlassen seit 2 bis 3 Millionen Jahren auf der Erde ihreSpuren. Der Mensch als Ensemble gesellschaftlicherVerhältnisse (K.Marx) ist wesentlich jünger-er ist vielleicht200000 bis 300000 Jahre alt. Wenn wir uns gar dem Homosapiens nähern, so gelangen wir nur auf ein Alter von30000 Jahren; die schriftlich überlieferte Geschichte beginnterst bei 3000 Jahren vor unserer Zeitrechnung, und die älte-sten Nachrichten über Mitteleuropa setzen nicht früher als300 Jahre v.u.Z. ein. Von nun an können wir die Geschichtein Jahreszahlen und Daten messen und auf umständlicheChronologien verzichten.Versuchen wir, die Zeit der Menschheit in Generationenauszudrücken, jede Generation nach herkömmlichen Wertender letzten Jahrhunderte mit 30 Jahren berechnet, so gelangenwir zu phantastischen Zahlen: Allein 80000 bis 100000 Ge-nerationen von Affenmenschen und Neandertalern mußtenleben, bevor sich überhaupt der Homo sapiens - der Menschin seiner heutigen Gestalt und mit seinem heutigen geistigenLeistungsvermögen - herausgebildet hatte. Und seitdem ha-ben wiederum 10000 Generationen gelebt und Geschichtegemacht; davon fast 175 Generationen von Bauern, Handwer-kern und Arbeitern, von Sklaven, Hörigen, von Ausgebeutetenin der Knechtschaft der Klassengesellschaft. Es ist ein gewal-tiger Weg der Entwicklung und des Kampfes, der Entschei-dung und des Zwanges, des Aufbegehrens gegen die Natur undgegen die Unterdrückung durch seinesgleichen, den derMensch auf seinem Weg zum Heute zurückgelegt hat.Der Aufstieg des Menschen aus dem Tierreich, die Be-gründung seiner Geschichte und die schöpferische Entfal-tung seiner Kultur sind so großartige Vorgänge gewesen, daßsie das menschliche Denken bis in die jüngste Zeit nicht voll-ständig zu umfassen und zu analysieren vermochte. Auch inunseren Tagen bleibt es schwierig, die verflochtenen undwidersprüchlichen Zusammenhänge der menschlichenPrometheusgeschichte aufzufinden und darzustellen. AlsHilfsmittel stehen uns zwar Atomuhren, Computer, naturwis-senschaftliche Laboratorien, die Archäologie mit ihren neuar-tigen Methoden, große Bibliotheken und Archive zur Verfü-gung. Die Aufdeckung von Tatsachen und Zusammenhängenist jedoch in den einzelnen Ländern ganz unterschiedlich weitvorangekommen, in manchen Gebieten der Erde befindet siesich noch am Anfang.Aber selbst das bereits Entdeckte zu verarbeiten kann nichtannähernd vollständig gelingen. Die Dimensionen des Zu-wachses an Wissen sind so gewaltig, daß sie sich nur überZwischenstufen, die aber zugleich auch Filterstufen sind,bewältigen lassen. Um eine Vorstellung zu vermitteln: Alleinauf dem Gebiet der Archäologie, einer Disziplin, die gegen-wärtig den größten Zuwachs an Wissen zur frühen Mensch-heitsgeschichte von den Anfängen bis in die Mitte unseresJahrtausends vermittelt, erscheinen jährlich über 1000 Zeit-schriften und Bücher.Zu diesem Problem der Stofferfassung treten andere. Sowird in der marxistischen Geschichtswissenschaft seit Jahrensehr heftig über historische Zusammenhänge und Entwick-lungslinien, selbst über Gültigkeit und Geltungsbereicheökonomischer Gesellschaftsformationen diskutiert. In dervorliegenden Darstellung wurde versucht, dem heutigen Standgesicherten Wissens zu folgen und die Grundzusammenhänge,die zum Aufstieg des Menschen führten, bloßzulegen. Einesolche Zielsetzung verlangt zugleich Verzicht, denn die Ent-wicklung der Menschheit verlief in der Zeit vor Anbruch derEpoche des Kapitalismus und der Weltgeschichte in mehr oderweniger voneinander isolierten Gebieten und Regionen unddamit höchst ungleichmäßig. Die Schwierigkeit bestand undbesteht darin, aus der Vielzahl von Entwicklungsansätzendiejenigen zu verdeutlichen, die sich für die gesamte Mensch-heit als fruchtbar erweisen sollten und die die Menschheits-geschichte als Ganzes bestimmen - in Ökonomie, Klas-senkampf, Politik und Recht, Kultur und Kunst. Es ging um7