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ZUM GELEIT
Wie oft nimmt man einen Predigtband in die Hand, um ihn dann enttäuscht wieder beiseite zu legen Nicht so bei den Predigten von Richard Wurmbrand. Sie sind ungewöhnlich. Ungewöhnlich wie der Mann selbst und wie das Lebensschicksal dieses Mannes. Ungewöhnlich in ihrem unerschöpflichen Gedankenreichtum und ihren immer neuen Ideen. Ungewöhnlich in der Art, wie hier einer mit und über Gott redet. Ungewöhnlich in vielen, vielen Einzelaussagen. Zweifellos wird in diesen Predigten manches zum Widerspruch reizen. Mit Recht urteilt Wurmbrand selbst in seinem Vorwort: „Mit vielen der in diesen Predigten zum Ausdruck gebrachten Gedanken stimme ich heute, da idi unter normalen Umständen lebe, nicht mehr überein Den Leser möchte ich bitten, anstatt zu urteilen, sich mit in die Gemeinschaft dieser diristlichen Brüder zu begeben, die im Gefängnis leben." Diese Predigten wollen also rücht Lehre sein, denn „Idi lebte damals nicht nach einem Glaubenssatz. Das karm keiner. Die Seele ernährt sidi von Christus, nicht von Lehren über ihn" (Vorwort).
So geschieht es, daß man von diesen ungewöhnlichen Predigten reich beschenkt wird. Hier predigt einer nicht an der Oberfläche des Lebens, in Gedanken und Worten, die wir alle schon oft gehört haben. Immer neue Tiefen, neue Erkenntnisse, neue Bilder und neue Erfahrungen werden hier lebendig. Und vor allem: Hier predigt einer, der bis ins letzte gepackt ist von Jesus Christus; der inmitten aller Leiden und Qualen immer neu von dem Kraft empfängt, der allein Kraft geben kann; der in seiner schweren Lage Ihn, seinen Herrn und Erlöser Jesus Christus, auf immer neue Weise erlebt; der alle Fragen und Nöte bis ins Tiefste erfährt und durdileidet und durchdenkt, getragen allein von der Gewißheit der unwiderruflichen Liebe Gottes, die sich in Jesus offenbart hat. Daß dieser Jesus Christus trägt und durchträgt, bezeugen diese Predigten auf immer neue und überraschende Weise. Und darin sollen und können sie auch uns Stärkung und Wegweisung sein.
Jürgen Blunck
VORWORT
Von den 14 Jahren, die ich in kommunistischer Gefangenschaft in Rumänien war, verbrachte ich drei Jahre allein in einer Zelle etwa 9 Meter unter der Erdoberfläche, ohne jemals Sonne, Mond oder Sterne, Blumen oder Schnee gesehen, ohne jemals einen Menschen außer den Wächtern und Verhörern, die mich schlugen und folterten, zu Gesicht bekommen zu haben. Selten hörte ich einen Laut in diesem Gefängnis. Die Wächter trugen Schuhe mit Filzsohlen, und so hörte ich nicht, wenn sie kamen.
Ich hatte weder eine Bibel noch ein anderes Buch. Ich besaß auch kein Papier, um meine Gedanken aufzuschreiben. Das Einzige, was wir schreiben sollten, waren Anschuldigungen gegen uns selbst und andere.
Während dieser Zeit schlief ich nachts kaum. Ich schlief am Tage. Jede Nacht verbrachte ich die Stunden mit Gebet und geistlichen Übungen. Jede Nacht arbeitete ich an einer Predigt und hielt sie auch.
Ich hatte eine ganz schwache Hoffnung, eines Tages entlassen zu werden. Und deshalb versuchte ich, meine Predigten im Gedächtnis zu behalten. Um das zu erreichen, bediente ich mich eines Hilfsmittels und setzte die Hauptgedanken in kurze Reime. Hierfür gibt es bereits Beispiele. Omar Kayyam, Nostradamus, Heinrich Suso und Angelus Silesius hatten alle schon einen Schatz philosophischer, religiöser und prophetischer Gedanken in sehr kurzen Versen zusammengefaßt. So verfaßte auch ich meine Reime, lernte sie dann auswendig und behielt sie durch ständiges Wiederholen im Gedächtnis. Als mein Gedächtnis mich unter dem Einfluß von schweren Rauschmitteln verließ, vergaß ich sie. Aber sobald die Wirkungen der Drogen vorbei waren, kamen sie mir lebhaft wieder.
Hier sind nur einige der Predigten. Insgesamt habe ich etwa dreihundertfünfzig in meinem ungewöhnlich guten Gedächtnis behalten.
Diese Predigten können nicht nach ihrem dogmatisdien Inhalt beurteilt werden. Ich lebte damals nicht nach einem Glaubenssatz. Das kann keiner. Die Seele ernährt sich von Christus, nicht von Lehren über Ihn.