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ERSTES KAPITEL
Bergeinsamkeit - Das Leuchten der Welten - Zwei Boten kommen aus der Nacht - Ein bedeutungsvoller Brief - „Und was wird nun aus uns, Bwana ?'¦'¦ - Ein Abstieg aus eisiger Höhe -Die Bergurwälder - Das Land der Bananen - Ein Gewaltmarsch und ein trauriger Abend
Am Abend des zehnten August 1914 lag ich, in zwei Decken gehüllt, in einem Liegestuhl vor der Türe der Petershütte und steckte mir bedachtsam eine dicke Havanna an, im Zweifel darüber, wie dieses Unterfangen wohl ausgehen würde. Die Petershütte steht auf dem Sattelplateau des Kilimandscharo; die Havanna stammte aus einem Kistchen, das mir der Distriktskommissar von Taveta als Abschiedsgeschenk zugesteckt hatte, als ich vor vierzehn Tagen seinen Posten verlassen hatte, um hier oben, in fünftausend Meter Höhe, eine hartnäckige Malaria auszukurieren. Es war damit wirklich rasch besser geworden. Seit zwei Tagen hatte ich keine Temperatur mehr, heute abend war ich mit einem wahren Kannibalenappetit über mein Nachtessen hergefallen und hatte darauf den kühnen Entschluß gefaßt, zu der Importe zu greifen.
Jenseits der flachen, bronzefarbenen Lava-Einöde des Sattels stieg die Silberkuppe des Kibo-Gipfels mit schwungvoller Linie noch weitere tausend Meter empor ins tiefe Dunkelblau des Himmels. Wie ein ungeheurer Rubin funkelte die Spitze des Eispanzers unter den letzten Strahlen der Sonne; in den Furchen des Gletschers rann es herab wie lauter Blut. Zu meiner Linken ragten, schon in kobaltblaue Schatten eingehüllt, die wildzerrissenen schwarzen Felsenpfeiler des zweiten Kilimandscharo-Gipfels, des Mawensi, auf. Kein Laut imterbrach die tiefe Stille ringsum; selbst die zahllosen kleinen Gletscherbäche zwischen den vulkanischen Blöcken — die einzige Aeußerung unbewußten Lebens in dieser eisigen Höhe — waren