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Johannes Scheffler, sich selbst Angelus Silesius nennend, geboren 1624 in Breslau und dort am 9. Juli 1677 gestorben, gehört zu den grófién Mystikern des ausklingenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Diese sagten sich: Wenn wir dem Aufienleben hingegeben sind, dann wirkt dieses Leben in der Aufienwelt wie ein starkes, máchtiges Licht, das die feineren, inneren Seelenerlebnisse überleuchtet und auslöscht. Wenn wir alle Eindrücke der Aufienwelt tilgen, dann leuchtet das sonst Überleuchtete, das innere Fünklein auf. Dann erfahren wir in unserer Seele nicht ein Nichts, sondern etwas, was vorher scheinbar nicht vorhanden war, was unwahrnehmbar gewesen ist durch das laute Getöse der Aufienwelt. - Den Kern seiner Seele erlebte der Mystiker als gleichartig mit dem göttlich-geistigen Weltengrund. Er erlebte die geistige Substanz in sich. Und dieses innere Erieben war so geartet, dafi es ihn zu einer wirklichen Erkenntnis führen konnte1. In dem Cherubinischen Wandersmann erscheinen wie gesammelt und in erhöhter Leuchtkraft strahlend die Ideen der vorangegangenen Mystiker. Es ist, wie wenn Angelus Silesius von höheren Machten berufen worden ware, die Weisheit in persönlicher Gestalt zu verkörpern. Was er ausspricht, ist wie der Hauch aus einer anderen Welt, von vornherein befreit von allém Groben und Unreinen, aus dem sich sonst menschliche Weisheit nur mühsam herausarbeitet2. Die Menschheit ist heute in der Gefahr, die Pflege des inneren, seelischgeistigen Lebens durch die stark überwiegende Blick- und Tátigkeitsrichtung in die Umwelt völlig zu vergessen. Wenn nicht der Seelentod eintreten soll, mufi diese Pflege, dem Bewufitsein des modernen Menschen entsprechend, neu ergriffen werden. Die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners will den Weg dazu weisen. - Angelus Silesius hat es für seine Zeit getan. Die Weisheit ist dieselbe geblieben; doch mufi sie heute vielfach in andere Worte gefafit werden. S. V.