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Sechshundert Jahre Grafik 5 Was würde wohl geschehen, wenn es eines Tages - ganz plötzlich - auf der ganzen Welt keine Stempel mehr gábe? Keine Behörde könnte mehr in der gewohnten Weise ihre Schriftstücke beglaubigen, die Rechtsanwálte und die Gerichte waren nicht mehr wie bisher imstande, ihre Urkunden und Urteile zu bestátigen, die Standesámter würden keine Geburten, EheschlieGungen oder Todesfálle mehr bescheinigen, die Post müfcte zunáchst ihre Dienste einstellen, weil die Briefmarken nicht mehr entwertet werden könnten, kurzum, sehr vieles in unserem gewohnten Leben geriete ins Stocken. Aber kann es denn wahr sein, daB von einer solchen Kleinigkeit wie dem Stempel ein Teil unseres Lebens abhángt? Wenn es tatsáchlich so ist, worin besteht dann sein Geheimnis? Es scheint notwendig, darüber einmal nachzudenken. Beim Stempeln geht es darum, eine Schrift oder ein Bild, einen Namen oder ein Wappen, immer wieder möglichst gleichbleibend und auf einfache Art zu Papier zu bringen. Jedes andere Verfahren, um das zu erreichen, wáre schwierig und würde viel Zeit und Geld kosten. In früheren Zeiten, als es noch keine Stempel gab, mufcten Spezialisten - Kanzleiangestellte, Hofbeamte, Schriftkünstler und andere - jedes einzelne amtliche Schriftstück in besonderer Weise kennzeichnen, um es rechtskráftig zu machen. Damals aber gab es nur wenige Behörden, noch keine Post oder Standesámter. Auch Bücher wurden da-