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ZaubersprücheAltgermanische DichtungAltgermanische Dichtung (4. bis 8. Jahrhundert)Die frühe heidnische Stammes- und Gefolgschaftsdichtung ist in nur sehr wenigen Beispielen erhalten geblieben. Die Texte, oder besser gesagt Textfragmente, die heute noch vorliegen, sind Aufzeichnungen aus späterer Zeit, da die Dichtungen zur Zeit ihrer Entstehung fast nur mündlich überliefert wurden. Vieles ging wahrscheinlich verloren, da das Sammeln von schriftlichen Texten eher die Ausnahme darstellte als die Regel.Das gesprochene oder gesungene Wort, zum Beispiel Zauber- und Orakelsprüche oder Opferverse, wurde auch in Zusammenhang mit magischen Ritualen verwendet.ZaubersprücheDiese volkssprachlichen Texte werden zwar erst im 10. Jahrhundert aufgezeichnet, reichen aber zeitlich viel weiter in den germanischen Bereich zurück. Der Erste Merseburger Zauberspruch zeigt in drei Stabreimlangzeilen1 eine Situa- Merseburger tion, in der Frauen (Idisen) Fesseln anlegen und lösen und ein feindliches Heer Zaubersprüche behindern. Die eigentliche Beschwörungsformel steht in der letzten Zeile. Der Zweite Merseburger Zauberspruch (aufgezeichnet im 10. Jh.) beschreibt, wie Wodan und Phol in den Wald reiten, wo sich das Pferd Baldurs ein Bein verletzt. Nach den vergeblichen Zaubersprüchen zweier Göttinnen (Sinthgunt und Freia) gelingt es schließlich Wodan, den verrenkten Pferdefuß mit einem magischen Spruch zu heilen.K' i * L-inf fattuj vi,bii fAZiui firn Jiu>Jcii Jim i. Merseburger ZaubersprucheJj u M>r }t(pnju.tj-UMjr.l.~,JEins sazun idisi, sazun hera duoder.|umLicuonw und, mii-nncv jf^V.suma hapt heptidun, suma heri lezidun,lnilinjwo-u?'i.n,suma clubodun umbi cuoniouuidi:i faWu-l^-insprinc haptbandun, invar vigandun.I >- i". '5 Phol ende Uuodan vuorun zi holza. ( )' vuC^Jk t'"^ ><*10 sose benrenki, sose bluotrenki,| ."'ul,nuÄ M ( . f II*sose lidirenki:ben zi bena, bluot zi bluoda,Ausschnitt aus derlid zi geliden, sose gelimida sin!Handschrift (10. Jh.)1Einst setzten sich nieder die Idisen (Kampffrauen, Walküren), setzten sich hierhin, dorthin.2Einige Haft hefteten (fesselten), einige das Heer lähmten, 3 einige klaubten herum an Fesseln: 4 entspring den Haftbanden, entfahre den Feinden! 5 Phol und Wodan fuhren zu Holze. 6 Da wurde dem Fohlen Baldurs sein Fuß verrenkt. 7 Da besprach ihn Sinthgunt. (und?) Sunna(,) ihre Schwester; 8 da besprach in Frija. (und?) Volla(,) ihre Schwester; 9 da besprach ihn Wodan, so gut er konnte: 10 Wie die Beinverrenkung, so die Blutverrenkung, 11 so die Gliederverrenkung: 12 Bein zu Bein, Blut zu Blut, 13 Glied zu Gliedern, so als seien sie geleimt (verbunden)!