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Vorwort
Als unser Buch vor nunmehr über einem Jahrzehnt erstmals erschien, da war es in unserer Republik die erste geschlossene Darstellung, die sich aus marxistischer Sicht bemühte, in die Stilkunde einzuführen. Dabei konnte es sich auf substanzreiche Einzeluntersuchungen stilistischer Fragen stützen, unter anderem von Viktor Klemperer, Eduard Koelwel, Georg Möller, und auf das kurz zuvor in der Sowjetunion herausgegebene Werk „Stilistik der deutschen Sprache" von Elise Riesel. Ursprünglich war unser Buch als ein Arbeitsmaterial für junge Autoren gedacht. Der Bedarf an einer Gesamtdarstellung zur Stilistik ließ unser Buch jedoch über seine ursprüngliche Bestimmung hinauswachsen. Deutschlehrer und Germanistikstudenten, Journalisten, Verlagslektoren und BibUothekare, ja viele Freunde der deutschen Sprache griffen zu dem Band, um sich bewußt zu machen, wie mannigfaltig und reich die Ausdrucksmöglichkeiten in unserer Sprache sind und wie meisterhaft sich die Großen des Worts dieser Möglichkeiten bedienen. Diesem Bedürfnis suchten wir, soweit das unser Vorhaben zuließ, Rechnung zu tragen. Das hatte Schwierigkeiten vor allem darin, daß die stilistischen Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten, die wir am Beispiel literarischer Textgestaltung herausarbeiten, nicht unbedingt auch in anderen Bereichen sprachlicher Kommunikation, etwa im Alltagssprachgebrauch, bestehen; dort tun sich teilweise andere Möglichkeiten auf, dort walten verschiedene andere Gesetzmäßigkeiten sprachlicher Formung. Und es ließ sich die Gefahr nicht ganz bannen, daß manche für die Belletristik richtige Stilforderung unbedacht auch auf andere Aussagebereiche übertragen wurde. Inzwischen hat sich die Stilistik bei uns rasch und recht gesund entwickelt. Das Interesse an stilistischen Fragen ist stark gewachsen. Die Stilistik ist zu einem fest-umrissenen Lehrfach an den entsprechenden Bildungseinrichtungen geworden, vor allem auch im pädagogischen Bereich. Eine Reihe zielstrebiger Wissenschaftler hat sich der Stilistik verschrieben und sorgt derzeit für eine solide theoretische Grundlegung dieser Disziplin. Die Konferenz zu Fragen der marxistisch-leninistischen Stilistik, die im Frühjahr 1970 in Erfurt stattfand, ließ dies besonders augenfällig werden.1
So traten unserem Buch im Laufe der Jahre viele wertvolle Publikationen zur Seite, die sich umfassend und intensiv mit stilistischen Fragen befaßten. Zu nennen ist vor allem die von Georg Michel mit einem Kollektiv veröffentlichte „Einführung in die Methodik der Stiluntersuchung", die von weitreichender theoretischer Bedeutung ist. Zu nennen sind Georg Möllers „Praktische Stillehre" und Elise Riesels nun auch in der DDR erschienene Untersuchung zum „Stil der deutschen Alltags-