Bővebb ismertető
Kürzlich kani cin junger Mann nach Stolbcrg. Den ganzen Tag strich er durch verwinkelte, alte Gassen, bestaunte Fachwerkfassaden mit seiten schönem Schnitzwerk am Gebálk, Inschriften über Türen und Maierei - und er konnte sich nicht genug an dem nach Jahrhunderten záhlenden Stádtchen erfreuen, das ihm als Perle vom Siidharz empfohlen worden war. Er schlug einige Wege ein, die unterhalb der Bergkámme den Ort umrunden, sonnte sich gegenüber von Schlofi und Kirchturmspitze auf einer schrágen Wiese und guckte - wieder auf der Talsohle spazierend - durch niedrige Fenster verschiedenen Leuten auf den Tisch. Das alles gefiel ihm so gut, dafi er zu der Überlegung kam, ein einziger Tag für eine derartige Stadt sei völlig unzureichend, und er beschlofi, sich in einem Hotel, das ihm bei seinem ersten Streifzug aufgefallen war, für zwei, drei Tage einzumieten. Da aber Sommer war, schüttelten alle Befragten die Köpfe. Und unser junger Mann erfuhr, dafi Hotels und Ferienheime fast ausnahmslos FDGB-Urlaubern vorbehalten sind oder bei der Stadtverwaltung als Eigentum bedeutender Betriebe im Flachland geführt werden, deren Belegschaft auf Stolberg und seine Umgebung seit Jahren schwört. Ob es denn keine Kurverwaltung gábe, die priváté Zimmer vermitteln könnte, erkundigte er sich. Natürlich habe man auch eine Kurverwaltung, gab man ihm zur Antwort, schliefilich sei Stolberg ein Luftkurort. Nur hatte er sich schon zu Jahresbeginn dort anmelden müssen, jetzt, wahrend der Hochsaison, sei es damit nahezu aussichtslos. Der müde junge Mann bedankte sich trotzdem höflich und ging wieder auf die Strafie hinaus, wo nostalgisch anmutende Stehlaternen bereits brannten und den Marktplatz samt einsehbarer Strafien in ein angemessenes Licht tauchten. Das Glück wollte es, dafi unser Freund einem grünberockten Mann begegnete, dem ein Gewehr über der Schulter hing und cin Dackel aus dem Rucksack guckte und in dem er sofort einen Förster erkannte. Der dackeltragende Förster verstand sehr schnell, worum es in diesem Fali ging, und er bot dem Fremden kurzerhand die Chaiselongue in seiner Gartenlaube an. Dort schlief er vier Náchte und brachte tagsüber allerhand Merkwürdigkeiten in Erfahrung. Wahrend seines Aufenthaltes verschickte er neun Briefe und eine Karte aus Stolberg, die wir nachstehend ungekürzt und mit allén Mángeln wiedergeben wollen. Erster Brief an Gesine Du würdest staunen: Diese Stadt ist ein lebendiges Stück Mittelalter und wegen ihrer Seltenheit unter besonderen Schutz gestellt. Zuerst wollte ich den Saigerturm am Marktplatz besteigen, des besseren Überblicks wegen. Aber das einzige Einstiegsloch des altén Kolosses ist dem hiesigen Uhrmachermeister K. vorbehalten, der das Werk in 14tágigem Rhythmus nachregelt. Ich klettere deshalb auf einen nahen Berg und genofi das Panorama aus der Höhe: Spielzeughaft streckt sich die Stadt da untén. Eine Miniatűr zwischen Bergen, der vier tiefeingeschnittene Táler die Lage aufgezwángt habén. Am Grund ziehen sich in zwei Zeilen die Háuschen entlang, klein und geduckt die meisten, eines dicht an das andere gedrückt. Das Rot ineinander verschachtelter Dácher leuchtet herauf, blauschwarzer Schiefer dazwischen, und ringsum - wie eine liebevolle farbige Umarmung - das Grün von Gárten, von Wiesen und Wald. Man hat einen herrlichen Blick auf den rund fünfhundert Jahre altén Rathausbau mit seinem massigen Steildach, auf die Kirche St. Martini aus dem dreizehnten Jahrhundert und das über der Stadt thronende Renaissanceschlofi.