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Vorwort
Man schreibt das Jahr 1600. Irgendwo in Deutschland, in einem kleinen niederbayerischen Dorf, gerät eine landfahrende Familie -Mann, Frau, erwachsene Söhne, ein zehnjähriges Kind - in die Fänge der Obrigkeit. Für die lokale Behörde ein unwichtiger, alltäglicher Fall. Doch als der herzogliche Hofrat in München davon erfährt, äußert er überraschendes Interesse. Zufällig ist er auf der Suche nach passenden Schuldigen für einen großen Schauprozeß, der die Straßenräuber, Brenner und Mörder im Land abschrecken soll. Dafür eignen sich die aufgegriffenen Landfahrer, meint man in der Landeshauptstadt. Ein Urteil, das den Gang der Ereignisse vorausbestimmt. Die Überstellung der Gefangenen nach München wird angeordnet.
Hier unterzieht man sie umfangreichen Verhören. Ihre Aussagen, minuziös aufgezeichnet von dem protokollierenden Schreiber, sind die Hauptquelle meines Berichts. Sie werden den Leser in die Alltagswelt von fahrendem Volk, Handwerkern und Kleinbauern führen, die seit fast vierhundert Jahren tot sind. Aus den Prozeßakten erwachen längst vergessene Menschen zu neuem Leben, erzählen von sich, von ihren Freuden, Ängsten und Nöten. Vieles sahen sie anders als wir. Sie lebten in einer festgefügten Ordnung von Oben und Unten, von Himmel und Hölle, Engeln und Dämonen. Unser Urteil über sie muß notwendig falsch sein, denn wie damals können wir nicht mehr denken, glauben, empfinden.
Und doch war das Zeitgefühl dem unseren nicht unähnlich. Schwarzes Gewölk hing über dem Land, unsichtbar, doch unübersehbar. Es wird ein Unwetter geben, dachte man und hatte Angst davor. Der große Krieg, von dem die Zeichen künden, wird der schrecklichste, der letzte sein, den die Menschheit erlebt. Gut und Böse rüsten zur Endschlacht, die dem Jüngsten Tag vorausgeht. Im Osten steht, bis an die Zähne bewaffnet, der Antichrist; die Türken, die grausamen Erzfeinde der Christenheit, drohen Wien zu überrennen. Einigkeit im westlichen Lager wäre das Gebot der Stunde, doch alles geht drunter und drüber. Mißtrauen und Zank herrschen unter den Regierungen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Man streitet um Worte,
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