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Vorwort zur Taschenbuchausgabe
Vor fünfundzwanzig Jahren erschien in New York Felix Salzers Strukturelles Hören; es zeigt seither eine stetig wachsende Verbreitung. Rückblickend scheint es heute angebracht, seine Bedeutung abzuschätzen und festzustellen, daß es andauernd großen Einfluß auf das Studium der musikalischen Analyse und der Musikforschung hat.
Vor dem Erscheinen von Strukturelles Hören waren die Schriften des bedeutenden Wiener Musiktheoretikers Heinrich Schenker (1868—1935) in Amerika verhältnismäßig unbekannt. Obwohl es bald eine wachsende Schar von begeisterten Jüngern gab, standen die Schwierigkeiten des deutschen Originaltextes und die Tatsache, daß seine Werke nur schwer zugänglich waren, der Entwicklung einer größeren Nachfolgeschaft im Wege. Heute dagegen werden Schenkers Theorien, seine Terminologie und seine graphischen Darstellungen der Stimmführung in weiten Kreisen gelehrt und aufgenommen. Infolgedessen haben sich die musiktheoretischen Lehrpläne von Universitäten und Musikhochschulen allmählich, jedoch einschneidend geändert und der Einfluß von Schenkers Ideen ist darin immer wieder zu erkennen. In diesen Lehrplänen werden Harmonielehre und Kontrapunkt nicht mehr als zwei vollkommen getrennte Disziplinen behandelt; auch beschränkt sich das Studium des Kontrapunkts nicht mehr ausschließlich darauf, den Stil des 16. Jahrhunderts und Palestri-nas als einz^e Vorbilder zu betrachten. Die Verschmelzung der vertikalen und linearen Phänomene wird heute als charakteristisch für alle Stile erkannt.