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Woher und wohin?
Die Geschichte von dem Deutschen, der sich, zum erstenmal in Italien, in der hohen Sprache Dantes nach dem Weg vom Bahnhof zum Hotel erkundigte und ob seiner archaischen Ausdrucksviieise von den Einheimischen bestaunt wurde, dürfte heute der Vergangenheit angehören. Wohl aber wurde mir glaubwürdig bezeugt, daß während des letzten Krieges ein deutscher Soldat, der an der Universität romanische Sprachen studiert hatte, eines Sonntags in einem südfranzösischen Dorf eine Predigt hielt, mit der er sich als besserer Kenner des Proven-zalischen erwies, als es die Einheimischen im allgemeinen zu sprechen verstanden. Die kleine Anekdote hat etwas Tröstliches. Sie lehrt, daß der kürzeste Weg zu unmittelbarer "Verständigung mit einer Kultur über die Sprache führt, was bei dem verworrenen Streit um Fragen der politischen Verfassung und der sozialen Einrichtungen und wirtschaftlichen Interessen so häufig vergessen wird. Welche Bedeutung wir auch dem Wort »Kultur« geben: das Bewußtsein, daß etwas unserer Obhut, unserer Pflege anvertraut ist, das wir nach besten Kräften weiterbilden müssen, wird stets zugrunde liegen. In Zeiten relativer Stabilität neigt man dazu, Kultur als Besitz aufzufassen. Man ist stolz auf den Reichtum an Gemälden, Skulpturen und sonstigen Werken der Kunst in den Museen, man zählt die Bauwerke auf, die eine Stadt auszeichnen, und führt sie dem Fremden als Sehenswürdigkeiten vor. Oder man verweist auf die Spielpläne der Theater — wie sie gerade in Deutschland in jeder größeren Stadt zu finden sind — und sagt zu dem Gast aus dem Ausland: »Wollen Sie lieber ein klassisches Stück sehen oder ein modernes?«
Kultur, die auf solche Art zur Schau gestellt oder zur Wahl angeboten wird, erscheint uns auf die Dauer wie ein Haus, in dem sich im Laufe der Jahrhunderte so viele Möbel angesammelt haben, daß sich die zuletzt angeschafften mit einem bescheidenen Plätzchen begnügen müssen. Wäre es nicht an der Zeit, das Mobiliar rücksichtslos auf das unmittelbar Lebensnotwendige einzuschränken? Dieses Gefühl, daß Geschichte und Kultur etwas Bedrängendes seien, das der Gegen-
Es gibt keinen Kulturbesitz, sondern nur Teilhabe an einer Kultur.