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1. Esther und Exodus
Das Estherbuch stellt den Ausleger vor verschiedene Probleme, zuerst historischer und literarischer Art. Der unwahrscheinliche und unhistorische Charakter der Erzählung ist zum Teil unmittelbar auffallend und wird von den meisten Forschern anerkarmt. Es mag hier genügen, an einige wohlbekannte Beispiele zu erinnern. Da Mardochai zu den Deportierten vom Jahre 587 v. Chr. gehören soll (2, 5—6), ist König Ahasvérus — der aus philologischen und archäologischen Gründen mit dem Xerxes (485—465) zu identifizieren ist — offenbar als nächster oder doch wohl einer der nächsten Nachfolger Nebukadnezars gedacht. Eine Vasthi ist, ebensowenig wie eine Esther, nie persische Königin gewesen. Zu den erzählerischen Zügen, die sehr unwahrscheinlich anmuten, gehört die Geheimhaltung der Verwandtschaft zwischen den beiden Hauptpersonen Mardochai und Esther, wie vor allem die Unwissenheit des Königs von Esthers Zugehörigkeit zum jüdischen Volk. Unvorstellbar ist ferner, daß ein persischer König erlaubt hätte, daß viele Tausende seiner Untertanen von den Juden niedergemetzelt wurden. Wirklichkeitsfremde Einzelheiten sind das Jungfrau-Aufgebot, die Erwählung Esthers zur persischen Königin und die Erhöhung eines Juden zum Großwesir über das ganze Weltreich^
Andererseits scheint man darüber ziemlich einig zu sein, daß der Erzähler über persische Sitten und persische Administration ziemlich gut Bescheid weiß. Viele meinen darüber hinaus, daß der Kern der Erzählung, der Konflikt zwischen Persern und Juden, eine historische Gegebenheit sei, zumal Judenverfolgungen zu fast jeder Zeit denkbar sind. Man kann den Eindruck kaum loswerden, daß unsere mangelhafte Kenntnis von den Verhältnis-
^ Es gibt jedodi Forsdier, die in der Erhöhung Mardochais einen hi-storisdien Kern finden wollen; so vor kurzem H. Bardtke, Das Buch Esther, KAT 17, 1963, 362.