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Studienführer der Technischen Universität Graz Studienjahr 1987/88 [antikvár]

 
Ich versuche mir vorzustellen, wer diesen Studienführer jetzt gerade in der Hand hält. Mit gro- ßer Wahrscheinlichkeit sind Sie Studienanfänger (oder hoffentlich Studienanfängerin), die ,,höheren Semester" überspringen diesen Eingangsteil in der Regel leichtfüßiger. Ich heiße Sie im Namen unserer akademischen Gemeinschaft, im Namen Ihrer zukünftigen Lehrer und Betreuer, aber auch im Namen Ihrer Studienkollegen herzlich willkommen. Ich bin sicher, daß ich auch im Namen Ihrer Studienkollegen sprechen darf, denn wir sind hier...
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Ich versuche mir vorzustellen, wer diesen Studienführer jetzt gerade in der Hand hält. Mit gro- ßer Wahrscheinlichkeit sind Sie Studienanfänger (oder hoffentlich Studienanfängerin), die ,,höheren Semester" überspringen diesen Eingangsteil in der Regel leichtfüßiger. Ich heiße Sie im Namen unserer akademischen Gemeinschaft, im Namen Ihrer zukünftigen Lehrer und Betreuer, aber auch im Namen Ihrer Studienkollegen herzlich willkommen. Ich bin sicher, daß ich auch im Namen Ihrer Studienkollegen sprechen darf, denn wir sind hier an der TU in der angenehmen Situation, daß kaum eine Konkurrenz um die späteren Arbeitsplätze besteht, weil für die Absolventen fast aller Studienrichtungen ein ausreichendes und reichhaltiges An- gebot an Arbeitsplätzen im In- und Ausland zur Verfügung steht. Ich hoffe und wünsche Ihnen, daß Ihnen die Wahl Ihres Studiums leicht gefallen ist. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn Sie über sehr ausgeprägte Interessen und Neigungen verfü- gen, vielleicht auch über markante Vorbilder in Ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis, die Ihnen Orientierungsmöglichkeiten geboten und die Wahl durch ihren Ratschlag und ihre Hilfe erleichtert haben. Vielleicht war die Wahl für Sie nicht so einfach oder Sie haben sich noch gar nicht (endgültig) entschieden. Weil Sie zwar Neigung und Interesse für die Technik verspüren, sich aber nichts Rechtes unter einem Technikstudium vorstellen können und weil Sie nicht wissen, ob ein Mit- telschulinteresse für Mathematik, Physik, Chemie oder Geometrie eine ausreichende Basis und tragfähig genug sind, um eine Berufswahl darauf zu gründen. Vielleicht sind Sie auch ein wenig im Zweifel darüber, ob Sie sich angesichts der heutigen Umweltprobleme durch die Wahl eines „kalten" Technikstudiums in die Reihe der Sündenböcke stellen lassen sollen. Ich kann Ihnen Ihre Entscheidung und Ihre persönliche Beurteilung nicht abnehmen. Ich erin- nere mich nur, daß sie für mich selbst nicht einfach war und will deshalb versuchen, Ihnen mit ein paar Gedanken in dieser Anfangs-Unsicherheit Schützenhilfe zu geben: 1. Die Berufsaussichten sprechen eindeutig für ein Technikstudium. Sie sind — mit wenigen Ausnahmen — ausgezeichnet. Und selbst in weniger attraktiven Fällen sollten Sie sich dann nicht abhalten lassen, wenn Sie ausgeprägte Neigungen und Interessen verspüren. Wer et- was gerne tut, wird imstande sein, Uberdurchschnittliches zu leisten und dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg. 2. Natürlich haben Techniker ihren Anteil an unseren Umweltproblemen. Die Technologien entspringen schließlich ihren Köpfen. Aber über die Anwendung und den Gebrauch dieser Technologien entscheiden sie in der Regel nicht oder nicht allein. Die Autos beispielsweise waren noch nie so sparsam und schadstoffarm wie heute. Dies ist nur aufgrund einer hochstehenden Technik möglich. Wenn der Individualverkehr heute Um- weltprobleme verursacht, liegt das weniger an den Fahrzeugen, als an unseren Ansprüchen, an unserer Bequemlichkeit, an unserer Reife im Umgang mit der Technik, am politischen Wil- len, irgendwelchen ,,Sachzwängen" u.v.a.m. Die Lösung unserer Umweltprobleme werden wir nicht den Geistes- und Sozialwissenschaftlern überlassen können, obwohl wir ihre Mei- nungen und Haltungen nicht ignorieren dürfen. Es braucht dazu vor allem interdisziplinär denkende, kreative, intelligente, engagierte, warmherzige Vollbluttechniker, die ihr Metier be- herrschen. 3. Ihre Berufsentscheidung ist mit Ihrer Erstinskription nicht endgültig. Einerseits nehmen Sie wesentliche Weichenstellungen hinsichtlich Ihrer Vertiefungsrichtung erst nach dem 1. Stu- dienabschnitt (4. Semester) vor und andererseits ist ein Studienwechsel z. B. im ersten Stu- dienjahr in den meisten Fällen durchaus noch aufzuholen, in manchen Fällen sogar problem- los. Ich selbst habe nach dem ersten Semester sowohl die Studienrichtung als auch den Hochschulort gewechselt und habe dies nie als Makel, sondern immer als Bereicherung emp- funden. 4. Wichtig ist dabei allerdings, daß Sie nicht passiv warten, bis irgend jemand die Dinge für Sie klärt oder diese sich von selbst klären. Beginnen Sie, Ihre Studienlaufbahn, Ihre berufli- che Zukunft und damit einen wesentlichen Teil Ihres Lebens selbst zu gestalten. Seien Sie aufgeschlossen und neugierig: Reden Sie mit älteren Studienkollegen, mit Assistenten und Professoren wo immer Sie Gelegenheit dazu haben. Haben Sie keine Angst, dabei an Image zu verlieren — Sie haben noch keines. Gehen Sie in die Zeichensäle und schauen Sie sich die Konstruktionszeichnungen an, blättern Sie die Lehrunterlagen durch, sehen Sie sich die

Termékadatok

Cím: Studienführer der Technischen Universität Graz Studienjahr 1987/88 [antikvár]
Kiadó: Technische Universität
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 140 mm x 210 mm
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