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Himmlisches SchauspielVernunft und Phantasie, Ordnung und Unordnung, Vergnügen, das im Begnügen Erfüllung findet, und Wonne ins Grenzenlose verströmend, ineinander zu verschmelzen und doch nicht erstarrende Bindungen eingehen zu lassen, ob das die unenträtselbare, an jedem Bau, jedem Gemälde, jeder Skulptur neu sich stellende Frage des Barock ist?Hat sie auch das Objektiv von Max Seidel nicht zur Ruhe kommen und vorbeigleiten lassen an Klöstern und Kirchen, wo andere glauben, das Geheimnis aufspüren zu können, oder genügt es ihm, mit einem schalkhaften Augenzwinkern an Unvertrauterem, rätselvoller Verschlungenem und Verschnörkeltem, gischtig Aufschäumendem zu erweisen, daß dieses Geheimnis stets von neuem sich in sich selber zurückzieht und verhüUt?Mit diesem Spiel bereits setzt das Schauspiel an, das um das ewige Mysterium kreist; so wenig dieses in Worte zu fassen ist, so wenig läßt es sich in Formen und Farben einfangen. Als habe das Aufstreben in himmlische Höhen, das Durchlichten der Räume mit dem farbig gefilterten Widerspiel der Glasgemälde und deren ent-körperlichten Gestalten in Sphären geführt, in denen der Geist nicht mehr zu atmen vermag, heißt es jetzt, die Schäden des reformatorischen Bildersturmes mit einer in allen Farben und Schattierungen schillernden Palette zu verdecken, vor allem aber mit dem Glanz des Weiß und des gleißenden Goldes und mit diesen Farbwundern und allen illusionistischen Kunstfertigkeiten die Schöpfungsherrlichkeit aus den Himmelssphären in unsere irdische Wirklichkeit herunterzuholen und diese verklärt als Danksagung wieder emporzuheben.Nicht gleich im ersten Ansturm wird das dem Stoßtrupp der Vorarlberger Baumeister und Wessobrunner Stukkateure gelingen, die auf unerklärliche Weise weitab von ihrer Heimat auf dem Schauplatz erscheinen, als hätte sie ein geheimnisvoller Impresario für diese feierliche Stunde aufgeboten.Abb. 2 In der strengen, kaum aufgelockerten Front vonSl. Peter dem Schwarzwald scheint die Ordensreform von Cluny und Hirsau sich noch gegen das Eindringen desNeuen zu wehren. Doch bereits hat der mitrabehelmte Engelsschalk, der mit Krummstab und Doppelschlüssel Abb. 3 den zu Tod sich ringelnden Drachen bannt, das Tympa-non erobert und verheißt dem Eintretenden Heiteres. Noch bestimmen Wandpfeiler, Bogen und Stichkappen Abb. 4-das architektonische Stützwerk. Aber eine ganze Schar ' anmutiger Putten ist in den Raum hineingeflattert und hat sich etwas unbeholfen auf den Altären niedergelassen, und die Heiligenfiguren aus der Hand eines Joseph Anton Abb. 8-Feichtmayr müssen mit ihrer übersteigerten Gestik, unter-stützt von den geradezu tänzerisch wie Bustelli-Porzellan-figuren sich gebärdenden Zähringer-Fürsten, den Blick auf das Mysterium lenken, das durch ein zierliches, verspieltes Gitterwerk geschützt ist. Schaustellung kündet sich an, wenn auch noch etwas unsicher.Verkleidet man, wie in Säckingen, älteres Mauerwerk, Abb. 14-warum nicht auch Figuren? Ohnedies heißt es, die schwere Verwundung, die der Muttergottesfigur mit dem Kinde im Klosterbei Diessenhofen im Abb. 22-Bildersturm zugefügt wurde, zu verdecken. So hüllt man sie und ihr Kind in prächtig gestickten Brokat, um nicht zu übersehende Spitzenmanschetten bereichert, und stellt sie in einem reich vergoldeten Gehäuse auf den Altar, gerahmt von zwei original barocken Heiligenfiguren, der hl. Agatha und der hl. Magdalena.Nur wenige Meilen von hier entfernt, in der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee, ist alles hergerichtet für Abb. 30-das himmlische Schauspiel: Die Bauelemente scheinen sich zu verbergen, um das souveräne Spiel der Skulpturen und Malereien nicht zu stören. Kurvenreich zum Hauptaltar lenkende Galerie-Brüstungen fördern die Vorstellung der ins Übersinnliche sich entschwerenden Architektur. Zurück in irdische Gestaltung drängend, verfestigt sich die honigfließende Lehre des hl. Bernhard auf das Natürlichste im Honigschlecker, um über eine Stufenlei- Abb. 33 ter immer kleiner werdender Skulpturen ins Überirdische zurückzuführen.Ein verzückter Blick des Sehers von Patmos erschaut im Deckenrund die Gottesmutter, ihr zu Füßen die Erd- Abb. 34 kugel, unter den sie umringenden Gestalten ganz erdnah