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Jens ReuterInteressenlage und Kriegsziele derKonfliktparteien im ehemaligen Jugoslawien.Gibt es Ansatzpunkte für einen Kompromiß? 11. Die Serbische RegierungPräsident Slobodan Milosevic hat für seine Idee, alle Serben in einem Staatzu vereinigen, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien initiiert, finanziert undeskaliert. Er ist flexibel genug, diese Idee zumindest temporär in den Hinter-grund zu stellen. Der Grund dafür sind die internationale Isolierung Serbiensund die drückenden Wirtschaftssanktionen, die der UN-Sicherheitsrat vormehr als drei Jahren verhängt hat.Wenn die in der Kontaktgruppe vertretenen Mächte von Serbien verlan-gen, Bosnien-Herzegowina und eventuell auch Kroatien diplomatisch anzuer-kennen, so fordern sie damit von Milosevic, seine großserbischen Pläne de-finitiv und in aller Öffentlichkeit zu begraben.Für einen derartigen Schritt sprechen aus der Sicht der serbischen Regie-rung folgende Argumente:Die möglichst vollständige und unbefristete Aufhebung der Sanktionen istdie einzige Möglichkeit, der weitgehend ruinierten Wirtschaft wieder einePerspektive zu eröffnen. Wenn überhaupt Chancen bestehen, einen Teil derverlorengegangenen Märkte wiederzugewinnen und die frühere wirtschaftli-che Kooperation mit ausländischen Firmen wiederaufzunehmen, so müssensie jetzt genutzt werden. Eine weitere wirtschaftliche Isolierung, ein weiteresAbgeschnittensein von der Zufuhr neuer Technologie kann das SchwellenlandSerbien nicht verkraften. Zudem kann die proklamierte Reform der Wirtschaft(Teil eins - die monetäre Reform - ist bereits verwirklicht) nur bei einerRückkehr in die Weltwirtschaft realisiert werden. Bis zum September 1995könnte das neue Jugoslawien mit zusätzlichen Einnahmen von einer MilliardeDollar rechnen, sofern Handel und Transit nicht länger blockiert würden. DieSanktionen, bzw. ihre Aufhebung beherrschen das serbische Denken inzwi-schen obsessionsartig. Nur so ist zu erklären, daß die Sanktionen von derRegimepresse und von Milosevic selbst als "das schwerste Hindernis auf demWege zu einem stabilen Frieden auf dem Balkan" bezeichnet werden.2