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SÜDOSTEUROPA, 43. Jhg., 9-10/1994
Ognian Hishow1
Wirtschaftstransformation in Bulgarien:
von Ostmitteleuropa abgekoppelt
Resümee
Gegen Ende der sozialistischen Ära galt Bulgarien als Industrie-Agrar-Staat
von mittlerem Entwicklungsniveau. Seit seiner Zugehörigkeit zur Staaten-
gruppe des RGW wurden gewaltige Anstrengungen unternommen, um die
vorgefundenen überwiegend agrarisch und kleingewerblich geprägten Struk-
turen der Vorkriegszeit gemäß dem zentralistischen Wirtschaftsmodell neu zu
gestalten. Ordnungspolitisch wurde diese Forderung entsprechend dem stali-
nistischen Autarkie-Gedanken einer sozialistischen Volkswirtschaft realisiert.
Es wurden massive Anstrengungen unternommen, um Basissektoren zu er-
richten, welche von den Standortbedingungen her für das Land ineffizient
waren.
Die Orientierung an dem sowjetischen Wirtschaftsordnungsmodell hatte
als entscheidende Folge die massive Abschottung von der Weltwirtschaft. Die
planerische Prioritätensetzung bewirkte somit eine ständige Entfernung von
den internationalen industriellen und technologischen Haupttendenzen, was
innerhalb der Volkswirtschaft zu immer größeren Ungleichgewichten geführt
hat. Sie sind die Hauptschuldigen für die enormen Anpassungsschwierigkei-
ten der bulgarischen Volkswirtschaft nach der Beseitigung der Comecon-
Isolierglocke.