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Kapitän Krüger stand auf der Backbordkanzel der Brücke und sah den Wolken zu, die der Westwind über den blauen Himmel trieb. Die Wolken Hollands, die Wolken seiner Kindheit, so niedrig, daß man glaubte, sie fangen zu können.
Aus dem Innern des Schiffes kam das leise Dröhnen der Motoren, für andere Ohren fast unhörbar, für ihn eine vertraute Stimme. Es entging ihm keine Nuance, kein Wechsel im Rhythmus. Jetzt war es ein leises Vibrieren, später nach dem Lichten der Anker, beim Auslaufen aus Bremerhaven, wenn die Schlepper die Berlin weserabwärts zögen, würde es ein zufriedenes Brummen der zwei mächtigen Dampfturbinen werden; draußen im offenen Meer schließlich wird ein Aufatmen durch das Schiff gehen, wird es eintauchen in sein eigentliches Element, seinen Rhythmus finden im Rhythmus der anlaufenden See, die Motoren werden mit voller Kraft drehen und einstimmen in das machtvolle a-Moll des Atlantiks.
Jan Krüger, halb Deutscher, halb Holländer, war ein großer breitschultriger Mann mit einem Seemannsbärt-chen im Gesicht. Er strahlte die Ruhe und Wärme eines Menschen aus, der mit seinem Leben zufrieden ist, auch wenn nicht alles so gekommen war, wie er es sich erträumt hatte. Seit vierzig Jahren fuhr Krüger zur See. Auf der Queen Mary hatte er sich vom Kadetten zum Offizier hochgedient; auf der United States war er als Leutnant neben dem Kapitän der zweite Mann an Bord gewesen. Seit 21 Jahren fuhr er nun als Kapitän auf Kreuzfahrten. Dies würde seine letzte sein. Dann ging er in Pension. Seine Frau drängte ihn schon lange, den Schritt zu tun, aber er