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Wenn Delacroix - vor hundert Jahren - die hier gezeigten Werke hätte betrachten können, hätte er sie rächt gesehen.Noch in den zu Beginn unseres Jahrhunderts erschienenen Kunstgeschichten sucht man vergeblich nach dem Wort .sumerisch'. Die Geschichte Sumers war damals unbekannt, und von der vor-assyrischen Kunst Mesopotamiens kannte man nur die von Lagasch, die ,chaldä-ische' Kunst, die aber ohne die Bibel höchstens ein paar vereinzelte Künstler interessiert hätte. Zwei Drittel der hier zusammengetragenen Werke waren um 1930 auch den Fachgelehrten noch nicht bekannt, denn sie sind erst später entdeckt worden. Doch hat man sie nicht nur entdeckt, sie sind in unserer Zeit auch erst als Kunstwerke sichtbar geworden.Daß uns die Ästhetik des 19. Jahrhunderts nicht hilft, wenn wir uns Rechenschaft über die Empfindungen ablegen wollen, die solche Kunstwerke in uns wecken, wissen wir zur Genüge. Diese Kunst hat keine Beziehung zum .Schönen'. Wozu aber dann? Wonach richteten sich ihre Schöpfer bei der Arbeit? Nach dem Sakralen gewiß; doch die Menschheit kennt viele Arten sakraler Kunst von der Ägyptens bis zu den Werken von Moissac.Immerhin haben uns alle diese Kunstzeitalter in gleicher Weise zum Nachdenken über die traditionelle Ästhetik gezwungen, der es sogar noch nach der Entdeckung der japanischen Holzschnitte für selbstverständlich galt, daß sich der Künstler bei seinem Schaffen auf etwas Anschaubares beziehe.Man hatte zunächst Kunst mit Nachahmung und Idealisierung verknüpft, dann mit Vergeistigung, christlicher Idealisierung. (Der Realismus ist ein vielschichtiger Begriff, er ist viel mehr ein Kampf gegen Idealisierung oder Vergeistigung als eine Nachahmung.) Schließlich stellte sich, gefördert durch die Entdeckung ägyptischer und byzantinischer Kunst, der Begriff der Stilisierung ein. Ich habe an anderer Stelle zu zeigen versucht, daß alle Idealisierung Bewunderung wecken will und sich auf das Leben bezieht, ja sogar auf die Unsterblichkeit, während die Stilisierungen der Blütezeiten Verehrung zu wecken suchen und sich auf die Ewigkeit beziehen. Daher ihr tiefes Einverständnis mit dem Tod, der kein Hinscheiden, sondern eine endgültige Vereinigung mit dem Universum ist. Ägypten verkündet das, und wie sollten wir nichtX - MARI - LAMMTRÄGER (l. HÄLFTE 3. JT.) - ALEPPO