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BRAHMS,SYMPHONIE NR.l, CMOLL,OP.68.
Kein anderes Werk hat Brahms, wenn auch mit Unterbrechungen so lange beschäftigt als die zuerst von ihm veröffentlichte Symphonie, die aber durchaus nicht seine erste war, was vor allem durch Äußerungen seiner Verwandten belegt ist Auch wissen wir, dag er bereits im Jahre 1854 an einer Symphonie in d arbeitete, deren ersten Satz er später zu dem entsprechenden des Klavierkonzerts Op. 15 umgewandelt hat Seitdem Schumann in seinem berühmten Aufsatze „Neue Bahnen" von ihm gesagt hatte: „Wenn er seinen Zauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der Massen im Chor und Orchester ihre Krfte leihen, so stehen uns noch wunderbarere Blicke in die Geheimnisse der Geisteswelt bevor", erwartete die musikalische Welt von dem jungen Tondichter eine Symphonie, fühlte er selbst sich verpflichtet, ein solches Werk zu schreiben. Kalbeck macht es sehr wahrscheinlich, daß der erste Satz der Symphonie in c von Brahms bald, nachdem er 1855 einer Aufführung des Schu-
mannschen „Manfred" in Hamburg beigewohnt hatte, in Angriff genommen worden sei, und weist auf die Ähnlichkeit des zweiten Themas mit dem Schumannschen Astarte - Thema hin. Jedenfalls aber blieb dieser Symphoniesatz, dessen Vorhandensein in Freundeskreisen bekannt war, immer wieder liegen. Dag aber z. B. Klara Schumann die Hoffnung nicht aufgab, den treuen jungen Freund als Symphoniker zu begrüßen, ersehen wir aus ihrem Brief an ihn vom 21. Juni 1860, worin es heißt: „Menschen wie Du lauschen der Natur überall ihre Reize ab und schöpfen so Nahrung für ihren Geist; das beweist mir die schöne Schilderung in Deinem Briefe. Bin schöner Gewitterhimmel kann da schon eine Symphonie nach sich ziehen." Aber sie mußte sich noch eine ganze Weile gedulden. Am 1. Juli 1862 aber schrieb sie beglückt an Joachim; „Johannes schickte mir neulich — denken Sie, welche Überraschung — einen 1. Symphoniesatz mit folgendem kühnen Anfang: