Bővebb ismertető
FRANZ LISZT
Himnenschlacht
Mit der Vollendung seines Kartons »Die Hunnenschlacht« hatte sich Wilhelm V. Kaulbach zum gepriesensten Maler seiner Zeit aufgeschwungen. Man stellte sein Werk über ähnliche Vorwürfe behandelnde Bilder Eafaels, und dieses und die übrigen Darstellungen geschichts-philosophischer Art im Treppenhause des Berliner Museums wurden als Höhepunkt künstlerischen Schaffens bestaunt und bewundert. Kein zweiter Maler seiner Zeit hat den Geschmack des damaligen Publikums in so hohem Grade getroffen und beeinflußt als W. v. Kaulbach.
Die Entwicklung der modernen Malerei hat seine Werke in den Hintergrund gedrängt, und auch die Ästhetiker wollten bald von ihm nicht mehr allzuviel gutes wissen. Man tadelte den Mangel des Kolorites und vor allem die Tendenz zur Programm-Malerei; das Publikum fände an der Hand textlicher Erläuterung zwar ein stoffliches Interesse, aber die Mängel des Werkes würden dabei leicht übersehen.
Diese Eeaktion trat jedoch erst allmählich ein, und selbst ein Franz Liszt, dessen auch in allgemein künstlerischen Dingen sublimen Geschmack so leicht nichts irre führte, gehörte zu den rückhaltslosen Bewunderern Kaulbachscher Kunst. Er war von den Bildern im Treppenhause des Museums so ergriffen, daß er eine Ergänzung derselben durch Dichtung und Musik plante. Genaueres über diese Idee ist zwar nicht bekannt geworden, doch geht aus einem Briefe des Malers an Liszt soviel hervor, daß Dingelstedt den Gegenstand jedes Bild poetisch — Liszt aber musikalisch behandeln wollte, und daß mit diesen poetischmusikalischen Vorführungen solche der Bilder selbst in irgendeiner Art geplant waren. Kaulbach war mit Liszts Absicht einverstanden: es solle klingen und leuchten durch alle Lande!*)
Es kam jedoch nicht zur Ausführung der großen Idee. Doch war der Eindruck, den Liszt empfangen, stark genug, daß es ihn dennoch zum musikalischen Gestalten drängte. Es war das bewundertste Bild des Gemälde-Cyklus' aus dem Treppenhause, das offenbar auch auf Liszt am nachhaltigsten wirkte: »Die Hunnenschlacht«. Er nahm es zum Vorwurf für seine gleichnamige symphonische Dichtung.
Über die Absichten des Komponisten unterrichtet uns am besten ein Brief, den er an die Gattin des verehrten Malers richtete:
„Man macht mir Mut, Ihnen etwas zuzusenden, was Ihnen zwar angehörig ist, aber leider in so schlechter Bekleidung vor Sie treten muß, daß ich alle Ihre mir so oft erwiesene liebenswürdige Nachsicht dafür anspreche. Gleichzeitig mit diesen Zeilen erhalten Sie also das Manuskript der 2klavieripn Übertragung meiner symphonischen Dichtung (für großes Orchester geschrieben und seit Ende Februar gänzlich fertig) ,Die Hunnenschlacht', und ich bitte Sie, hochverehrte Frau, dieses Werk als ein Zeichen meiner aufrichtigsten Hochverehrung und ergebensten Freundschaft für den Meister der Meister gütigst
Liszt-Briefe I. 280, Anm.