Bővebb ismertető
EinleDen Reisetagebüchern von Charles Burney sind die Stationen ihres Werdens bis zur in diesem Band vorgelegten deutschen Fassung sichtlich anzumerken, und jede neue veränderte sie qualitativ. Wie bei allen Texten gibt es zahllose Varianten, sie zu lesen und sprechen zu lassen. Recht unproblematisch ist das, so lange es um Faktisches geht. Burneys Nachrichten vom Musikleben zählen unbestritten zu den erheilendsten Dokumenten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Gelegentlich stellen seine Informationen schlechthin alles dar, was über einzelne Personen, Institutionen und Gepflogenheiten bekannt ist, und viele Beobachtungen bilden bis heute eine wesentliche Grundlage der Forschung. Meinungen und Urteile bieten, wenngleich sie ebenso selbstgewiss vorgetragen sind, erheblich größere Widerstände. Doch liegt darin die Faszination seiner Reiseberichte: Sie enthalten nicht nur einen spannenden Querschnitt von Eindrücken über die europäische Musikpraxis, sie geben nicht nur angenehm lesbar Einblicke in soziologische, ästhetische, lokal- unditung-regionalgeschichtliche sowie zahllose biografische Daten, sie spiegeln darüber hinaus Diskurse des 18. Jahrhunderts von der Diskussion um Reiseliteratur bis zu der um nationale Ehre. Bumeys Reisetagebücher sind damit eine unerschöpfliche Quelle vor allem zur Musik, aber auch zu anderen Bereichen des Alltags und der Ideenwelt um 1770.Als Christoph Daniel Ebeling nach seiner Lektüre von Bumeys Bericht über seine Reiseerlebnisse in Deutschland dem Autor eine fiktive Declaration of war sandte und von seinen Visionen schrecklicher Kriege und einer vor Blut schäumenden Themse sprach (Bella hórrida bella et Tamesin multo spumantem sanguine cerno!),' war dies zwar ein besonders lebhaftes Rezeptionszeugnis, als empörte Reaktion auf Burneys Veröffentlichung stand es aber beileibe nicht allein. Man fühlte sich im Stolz verletzt, missverstanden und gedemütigt, als der britische Musikhistoriker seine nicht durchweg schmeichelhafte Sicht des deutschen Musiklebens der Öffentlichkeit vortrug. Für Burney war das keine neue Situation. Schon seine Ansichten über die7*