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Otto Singer - Tannhäuser [antikvár]
 
TANNHÄUSER.Die erste Idee des Tannhäuser beschäftigt Richard Wagner im Jahre 1841, in der Zeitseines ersten Pariser Aufenthalts. Ganz schon nur mit meiner Rückiiehr nach Deutschland beschäftigt, lebte ich (im Sommer 1841) nach der Beendigung des,Fliegenden Holländers, nur in der ersehnten, nun bald zu betretenden heimischen \Celt. In dieser Stimmung fiel mir das deutsche Volksbuch vom Tannhäuser" in die Hände. Diese wunderbare Gestalt der Volksdichtung ergriff mich sogleich auf das Heftigste; sie konnte dies aber auch erst jetzt, wo...
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TANNHÄUSER.Die erste Idee des Tannhäuser beschäftigt Richard Wagner im Jahre 1841, in der Zeitseines ersten Pariser Aufenthalts. Ganz schon nur mit meiner Rückiiehr nach Deutschland beschäftigt, lebte ich (im Sommer 1841) nach der Beendigung des,Fliegenden Holländers, nur in der ersehnten, nun bald zu betretenden heimischen \Celt. In dieser Stimmung fiel mir das deutsche Volksbuch vom Tannhäuser" in die Hände. Diese wunderbare Gestalt der Volksdichtung ergriff mich sogleich auf das Heftigste; sie konnte dies aber auch erst jetzt, wo mir aus dem Volksbuche und dem schlichten Tannhäuserliede das einfache echte Volksgedicht in so unentstellten, schnell verständlichen Zügen entgegentrat. Was mich aber vollends unwiderstehlich anzog, war die, wenn auch sehr lose Verbindung, in die ich den Tannhäuser mit dem ,Sängerkrieg auf der Wartburg' in jenem Volksbuche gebracht fand. Jetzt geriet ich darauf, diesem Sängerkriege, der mich mit seiner ganzen Umgebung so unendlich heimatlich anmutete, in seiner einfachen, echtesten Gestalt auf die Spur zu kommen. Dies führte mich zu dem Studium des mittelhochdeutschen Gedichtes vom .Sängerkriege', das mir glücklicherweise einer meiner Freunde, ein deutscher Philolog, der es zufällig in seinem Besitze hatte, verschaffen konnte. Hiermit war mir mit einem Schlage eine neue Welt dichterischen Stoffes erschlossen, von der ich zuvor, meist nur auf bereits Fertiges, für das Operngenre Geeignetes ausgehend, nicht eine Ahnung gehabt hatte. Das wohl nicht glänz- und wärmelose Bild des Manfred" (Die Sarazenin)"), das meine heimatssüchtige Phantasie mir in der Beleuchtung eines historischen Sonnenuntergangsscheines zugeführt hatte, verwischte sich sogleich, als meinem inneren Auge die Gestalt des ,Tannhäusers' sich darstellte. Jenes Bild war mir von außen vorgezaubert; diese Gestalt entsprang aus meinem Innern. In ihren unendlich einfachen Zügen war sie mir umfassender und zugleich bestimmter, deutlicher, als das reichglänzende, schillernde und prangende, historisch-poetische Gewebe, das wie ein prunkend faltiges Gewand die wahre, schlanke menschliche Gestalt verbarg, um deren Anblick es meinem inneren Verlangen zu tun war, und die im plötzlich gefundenen Tannhäuser sich ihm darbot. Hier war eben das Volksgedicht, das immer den Kern der Erscheinung erfaßt und in einfachen, plastischen Zügen ihn wiederum zur Erscheinung bringt; während dort, in der Geschichte d. h. nicht wie sie an sich war, sondern wie sie uns einzig kenntlich vorliegt diese Erscheinung in unendlich bunter, äußerlicher Zerstreutheit sich kundgibt und nicht eher zu jener plastischen Gestalt gelangt, als bis das Volksauge sie ihrem Wesen nach ersieht und als künstlerischen JVlythos gestaltet. Dieser Tannhäuser war mir unendlich mehr als Manfred; denn er war der Geist des ganzen gibelinischen Geschlechtes für alle Zeiten, in eine einzige, bestimmte, unendlich ergreifende und rührende Gestalt gefaßt, in dieser Gestalt aber Mensch bis auf den heutigen Tag, bis in das Herz eines lebenssehnsüchtigen Künstlers. Mit der ,Sarazenin' war ich im Begriffe gewesen, mehr oder weniger in die Richtung meines ,Rienzi' mich zurückzuwerfen; erst der überwältigende, mein individuelles Leben bei weitem energischer erfassende Stoff des Tannhäusers erhielt mich im Festhalten der mit Notwendigkeit eingeschlagenen neuen Richtung. Nach fast dreijährigem Aufenthalte verließ ich, neunundzwanzig Jahre alt (April 1842), Paris. Meine direkte Reise nach Dresden führte durch das thüringische Tal, aus dem man die Wartburg auf der Höhe erblickt. Wie unsäglich heimisch und anregend wirkte auf mich der Anblick dieser mir bereits gefeiten Burg, die ich wunderlich genug! nicht eher wirklich besuchen sollte, als sieben Jahre nachher, wo ich bereits verfolgt**), von ihr aus den letzten Blick auf Deutschland warf, das) Wagner hatte um diese Zelt die Skizze einer glelclmamigen Operndichtung für die Sohröder-Devrient entworfen") Im Revolutionslahr 1848.

Termékadatok

Cím: Tannhäuser [antikvár]
Szerző: Otto Singer Richard Wagner
Kiadó: "Universal-Edition" Aktiengesellschaft
Kötés: Könyvkötői kötés
Méret: 200 mm x 290 mm
Otto Singer művei
Richard Wagner művei
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