Bővebb ismertető
____________________________________Abys Behler___________________ _________________Tennis in Deutschland______________ Eine Standortbestimmung im Jahre 1985 Ein Slogan wie ein Schmetterball: Tennis ist toll. Wer möchte dem widersprechen? Selten war ein Schlagwort statistisch so gut abgesichert. Schier unwiderstehlich scheint das Verlangen im Lande, ein Racket in die Hand zu nehmen. Die Faszination des kleinen Balles ist gewaltig, und von Jahr zu Jahr steigt die Zahl derer, die sich ein Vergnügen daraus machen, mehr oder weniger kunstgerecht auf ihn einzuschlagen. In den sechziger Jahren, zu den Zeiten der Bungert und Kuhnke, war der 1949 mit etwa 70000 Mitgliedern wiedergegründete Deutsche Tennisbund (DTB) noch ein mittelpráchtiger Verband mit 200000 bis 300000 Mitgliedern. Dann kam, weltweit, zuerst in den USA und dann auch hierzulande, der Boom des weil3en Sports. Die Zuwáchse, bis zu achtzehn Prozent im Jahr, waren nicht mehr zu bremsen. 1978 war die Millión erreicht. Der Deutsche Tennisbund wurde - nach FuBball und Turnén - der drittgröföte Sportfachverband in der Bundesrepublik und der mitgliederstárkste Tennisverband in der Welt. Die jüngste DTB-Statistik verzeichnet 1643186 organisierte Tennisspielerinnen und -spieler. Dazu kommt die Millión nichtorganisierter Tennisfreaks, die ihre Schmetterbálle auBerhalb der Vereine auf kommerziellen Anlagen schlagen; dazu kommen Ungezáhlte, die gerne spielen würden, aber nicht die Gelegenheit dazu habén, aus welchen Gründen auch immer. Bei solchen Zahlen, solchem Interesse, solcher Begeisterung auf breiter Front - lángst hat Tennis das Prádikat Volkssport für sich in Anspruch genommen stellt sich natürlich die sportliche Gretchenfrage: Wie steht es - bei der Masse - mit der Klasse? Mit der Antwort hat sich das deutsche Tennis, jedenfalls soweit es die Mánner angeht, in den zurückliegenden Jahren ziemlich schwer getan. Es ist ja kein Geheimnis, da!3 die Deutschen in der jüngeren Vergangenheit auf den internationalen Centre Courts keine Báume ausgerissen habén - zum Kummer der Verbandsoberen, zur Verzweiflung des gelehrten Trainerstabes, zur Verárgerung von uns allén, die wir doch zu Hause im eigenen Klub alle so unnachahmlich das Racket schwingen. Nein, es lál3t sich nicht verhehlen: Wenig Éhre habén sie eingelegt für das viele Geld, das sie verdient, und wenn nicht verdient, so doch bekommen habén. Die nationalen Spitzenkráfte vermochten die heimischen Interessen international nur mangelhaft zu vertreten. Wohl fanden sich alljáhrlich in den Setzlisten von Wimbledon, dem MaBstab aller MaBstábe, spanische, italienische, niederlándische, britische, polnische, rumánische, schwedische, tschechische Namen, aber keine deutschen. Es gab Jahre, in denen die Nummer eins der deutschen Rangliste sich gar nicht erst die Mühe machte, den Rasen von Wimbledon aufzusuchen. Seit anderthalb Dutzend Jahren: Warten auf einen neuen Wilhelm Bungert. Die deutsche Tennisgemeinde übte sich in Ungeduld. Die Erinnerung an Bungerts Einzug ins Wimbledon-Finale von 1967 (das er dann - was tat's - gegen den Australier John Newcombe verlor) hütete sie inzwischen als nostalgisches Gemeingut. Schön war die Zeit der letzten Amateure. In der hereinbrechenden Ára des totálén Vollprofitums tatén sich die Deutschen kurioserweise zunáchst leichter im Kassieren als im Siegen. Zwar fehlte es nicht an hochkarátigen Talenten, die in allén möglichen internationalen Jugendwettbewerben von sich reden machten, doch hatte es in der Regei mit dem Talentbeweis auch sein Bewenden. Keiner schlug sich wirklich bis zur Weltklasse durch, und die meisten versuchten es nicht einmal. Uli Pinner, ein Mann von riesiger Begabung, lange die Nummer eins in Deutschland, bekannte offen und ehrlich: Uns geht es ganz gut - und mied Wimbledon wie der Teufel das Weihwasser. Einen Mangel an professioneller Einstellung konstatierte Dr. Claus Stauder, erst Sportwart, dann Vizeprásident, heute Prásident des Deutschen Tennisbundes, bei seinen Mannen. In der verbandsinternen Diskussion hatte man die Ursache des Übels lángst dingfest gemacht: Die jungen Leute verdienten mit ihrem Sport zu früh und zu leicht zu viel Geld. Mit dem schnöden Mammon, der in den siebziger Jahren im Tennis eine so grol3e Rolle zu spielen begann, muI3te man erst umzugehen lernen. Im Zeichen des Booms tat sich der Sportartikelindustrie auf dem deutschen Markt ein weites, lohnendes Feld auf. Die eigenen Produkte unters tennisbegeisterte Volk zu bringen, suchten die Firmen handeringend nach umsatzfördernden Werbetrágern. Den wenigen besseren Spielern im Lande zahlten sie Uberpreise. Mancher bezog, ohne daB er sich seiner Weltklasse hatte rühmen können, ein Einkommen wie ein Spitzenmanager der Industrie, als Fixum vorweg, nicht etwa als Lohn für Leistung. Warum, in Dreiwimbledonsnamen, hatte er sich dann noch quálen sollen? Das deutsche Tennis, Weltmeister in der Mitgliederstatistik, erlebte leistungssportlich frustrierende Jahre. Noch ein Talent und noch ein Talent verschwanden in der Versenkung. Als im Frühsommer 1984 in der deutschen Turnierszene ein rötlich-blonder Schopf erstmals bundesweit sichtbar zu leuchten begann, verbarg sich darunter zunáchst auch nicht mehr als dies: ein Talent. Doch dauerte es nicht lange, bis man rundum raunend feststellte: offenbar ein Talent von anderem Kaliber. Über Boris Becker, Baby Boris, den Sechzehnjáhrigen aus der baden-württembergischen Talentschmiede Leimen, der mit seinem Lausbubengesicht unter der Schiffermütze daherkam wie ein Vetter von Max und Moritz, war sich die Fachwelt bald einig: Boris ist toll. Kein Zweifel, so einen wie ihn hatte das deutsche Tennis noch nie. Manche Kritiker brachte der junge Mann derart aus dem Háuschen, daB sie ihn schon mit Bungert und mit von Cramm verglichen, noch ehe er seinen FuB richtig ins Profi-Leben gesetzt hatte. Doch abgesehen davon, da!3 solcher VorschuBlorbeer nicht immer bekömmlich ist, hinken die Vergleiche. Boris Becker - wie er sich ráuspert und wie er spuckt, wie er auftritt und wie er zuschlágt - ist durch und durch originál. Es genügte, daB er Becker war und nicht Bungert oder von Cramm, um die anderen das Fürchten zu lehren. Es háuften sich die Indizien dafür, daB hier einer angetreten war, der das Zeug hatte, dem deutschen Herrentennis endlich die erhoffte Wende zum Besseren zu bringen. Wann immer er gegen einen der ganz GroBen spielte, gegen McEnroe, gegen Wilander, gegen Noah, erntete er von den Gegnern Komplimente. Jimmy Connors rief ihn nachts in Philadelphia im Hotel an, um sich mit ihm für den náchsten Morgen zum Training zu verabreden - wann je war einem deutschen Tennisspieler so etwas widerfahren? Mit beiden Hánden suchte Trainer Günter Bosch die nach seiner Meinung allzu hohen Erwartungen abzuwehren: Boris sei ja noch ein Kind. Doch da schrieb die Presse in England, wo Boris Becker mit seinem Sieg bei den Junior-Masters in Birmingham groBen Eindruck gemacht hatte, schon vom Wunderkind. Und als er ausgerechnet im berühmten Londoner Queen's Club, wo alljáhrlich die Generalprobe für das Rasenerlebnis von Wimbledon stattfindet, das erste Grand-PrixTumier seines Lebens gewann, war Baby Boris als Tennisprofi endgültig erwachsen geworden. Ein Kind, einsneunzig vom Scheitel bis zur Sohle, das seinen Gegnern aus luftiger Höhe gewaltige Asse um die Nase zu fetzen pflegt und innerhalb eines Jahres aus der Gegend um den 450. Platz der Computer-Weltrangliste auf Rang 20 vorrückte. Um ein Haar wáre er 1985 schon unter den Gesetzen von Wimbledon gewesen. An dieser Stelle hátte das erste groBe Kapitel in der Karriere des Boris Becker mit einem dicken Punkt abgeschlossen werden können. Niemand hatte geglaubt, daB er es schon im ersten Profi-Lehrjahr so weit bringen würde. Doch die Götter des Tennis setzten