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VORWORT
Als im Jahre 1899 der Schlußstein zu der monumentalen, ein halbes Jahrhundert hindurch mühsam und gewissenhaft aufgebauten Gesamtausgabe der Werke Johann Sebastian Bachs gelegt worden war, konnte die Bach-Forschung mit Recht von sich sagen, daß sie ein gewaltiges und bedeutsames Stück Arbeit geleistet habe. Sie hatte nicht nur eine dringende nationale Pflicht erfüllt, sondern sie trug mit ihrer Tat zugleich auch wesentlich zu jener immer größeren und intensiveren Durchdringung aller Kulturländer mit dem Wesen der Bachschen Musik bei, die in unserem Jahrhundert Schaffenden und Nachschafienden unaufhörlich neue Impulse gab vmd deren Auswirkungen auf die Zukunft-man darf wohl sagen glücklicherweise — noch nicht abzusehen sind. Die Hauptmann, Rietz, Rust, Dörffel, um nur die wichtigsten zu nennen, vermittelten mit diesen Werken ein Kulturgut, das ein dauernder, wohl immer wieder auf neue Art wirksam werdender Kraftquell zu werden verspricht.
Dieser Glaube an die gegenwärtige und zukünftige Wirkung der Musik Bachs hat nun auch in den letzten 50 Jahren die Forschung zu weiterer Arbeit an diesem verpflichtenden Erbe angehalten. Eine Reihe hochbedeutsamer und interessanter Werke wurde aufgefunden - genannt sei nur das Quodlibet (BWV 524), die G-dur-Violinsonate (BWV 1021) und die Solokantate „Mein Herze schwimmt im Blut" (BWV 199) — manche Stücke der Gesamtausgabe wurden auf Grund gewissenhafter Einzeluntersuchungen als nicht Johann Sebastian Bach zugehörig festgestellt, und in zahlreichen FäUen konnten Entstehungs- und Aufführungsdaten ergänzt oder verbessert werden. Darüber hinaus ermöglichten hinzugefundene Autographe oder kostbare Abschriften aus der Zeit die Herstellung verbesserter kritischer Ausgaben, und philologisch exakte Arbeit, Sachkenntnis, starkes Einfühlungsvermögen und beherztes Kombinieren führten zu immer wieder neuen Deutungen: im kleinen etwa bei der Veröffentlichung praktischer Ausgaben einzelner Klavierwerke, im großen vor allem bei den verschiedenen Versuchen der Klangversinnlichung der ,,Kunst der Fuge". Schließlich wandelte sich auch, unterstützt durch neue Forschungsergebnisse, die Einstellung zu Fragen der Aufführungspraxis vom romantischen Bedürfnis nach Tonvolumen zum gegenwärtigen Verlangen nach klar durchsichtigen, die Struktur der Linien erfaßbar machenden Wiedergaben.
Sinn und Zweck des vorliegenden Verzeichnisses, das sich freudig mit in die Kette der Bemühungen um die Erschließung der Bachschen Musik einreiht, ist, das Wissen dieser !50 Jahre mit den Resultaten der Gesamtausgabe zu verschmelzen und am sicheren Themenleitseil aller von Bach stammenden oder für ihn in Anspruch genommenen Werke in gedrängtester, meist nur hinweisender Form zusammenzutragen. Auf diese Weise wird ein dreifaches Ziel zu erreichen versucht: Erstens soll festgestellt werden, was nach dem neuesten Stand der Forschung überhaupt an Werken von Bach vorliegt, zweitens sollen mit der Angabe alter handschriftlicher und gedruckter Vorlagen weitere Quellenstudien an Bachs Werken ermögücht und drittens soll das in Form von Ausgaben oder von wissenschaftlichen (dieser Begriff
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