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EINLEITUNG Von Wilhelm Geerlings
Ob man einen antiken christlichen Denker als Philosophen oder als Theologen bezeichnet, ist ein diskussionswürdiger Punkt. Denn viele der in diesem Band vereinigten „Theologen" tauchen auch in jeder Philosophiegeschichte auf. Philosophie und Theologie in der Antike sind noch nicht wie in der Neuzeit reinlich geschieden, so als stütze sich Philosophie allein auf die Vernunft, während sich die Theologie auf die denkerische Durchdringung der Offenbarung beschränke. Eine solche Scheidung würde bedeuten, es gebe zwar zwischen beiden Berührungspunkte - etwa beim Problem Glauben und Wissen - und beide seien den Gesetzen der Logik und des rationalen Diskurses unterworfen, doch letztlich müsse man auf einer reinlichen Scheidung bestehen. Auch die Frage, was denn früher in Aktion trete - und das heißt hier: wichtiger und entscheidender sei -, Philosophie oder Theologie, ist für die christliche Antike eine Scheinfrage.
I
Zwei Tendenzen, von Theologie zu sprechen, finden sich in der klassischen Antike. Die platonische Tradition nennt die Dichter „Theologen" (Piaton, Staat II 379 a5). Insofern bedeutet Theologie treiben (theologein) nichts anderes als wie die Dichter über Gott und das Göttliche sprechen {mythologein).
Aristoteles (Met. E 1:1025b 18-1026a 15) nennt ebenfalls die Dichter, stellt ihnen aber die Physiker entgegen und spricht von philosophia theo-logike als dem dritten Teil der theoretischen Philosophie. Dieser aristotelische Ansatz erscheint in der stoischen Philosophie der hellenistischen Zeit als theologia tripartita. Diese „dreiteilige Theologie" umfasst die poetische, die politische und die physische (philosophische) Theologie.
Der lateinischen Kirche wurde sie durch den Polyhistor Varro präsentiert. Dieser unterschied zwischen der theologia mythica, der theologia civilis und der theologia naturalis. Betrieben wird die theologia mythica von den Dichtern, ihr Inhalt sind die Göttermythen, ihr Ort ist das szenische Theater. Über ihren Wahrheitsgehalt urteilt Varro gering, denn die theologia mythica ist der Behebigkeit überlassen. Die theologia civilis um-