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VORWORT
Das Christentum ist in sein ökumenisches Zeitalter eingetreten. Dieser Sachverhalt muss erkennbare Folgen für die theologische Erinnerungskultur haben. Theoiogiegeschichte kann nicht länger unter primär oder gar ausschließlich konfessionsspezifischen Gesichtspunkten geschrieben werden. Das Konzept des von den Unterzeichnern gemeinsam herausgegebenen Sammelwerkes zu Theologen des 19. Jahrhunderts versucht - ebenso wie der Band zur Theologiegeschichte des 20. Jahrhunderts - dieser Einsicht zumindest ansatzweise Rechnung zu tragen.
Geboten werden unter Einbeziehung biographischer Aspekte Beschreibungen charakteristischer Werke theologischer Denker von Format. Das entspricht einerseits dem weithin positionellen, durch personspezifische Perspektiven bestimmten Charakter neuzeitlicher Theologie und ist andererseits durch die Tatsache veranlasst, daß in einem aus Beiträgen verschiedener Autoren bestehenden Sammelband historiographische Homogenität und strenge theologiegeschichtliche Systematik weder erreichbar noch erstrebenswert sind.
Die Reihe der behandelten Theologen des 19. Jahrhunderts umfasst zwölf Namen von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher bis zu Herman Schell. Auch wenn sie naturgemäß ergänzungsbedürftig bleibt, wird man der getroffenen Auswahl ein gewisses Maß an Repräsentativität nicht bestreiten können. Als Vertreter einer Zeit, deren Epochenindex Subjektivität bildet, haben die dargestellten Theologen sehr unterschiedlich auf die Herausforderungen der Neuzeit reagiert. Doch verbindet sie bei allen Gegensätzen die gemeinsame Frage, wie die Wahrheit christlicher Überlieferung unter den Bedingungen gewandelter Selbst- und Welterfahrung der Moderne authentisch und überzeugend vertreten werden kann. Was die Antworten betrifft, so lassen sich konfessionelle Profile durchaus erkennen; doch ist die gängige Sicht zu korrigieren, wonach mit dem Protestantismus des 19. Jahrhunderts eine Individualitätskultur reinen Beliebens, mit dem Katholizismus dagegen ein erratischer Block vergemeinschafteter Glaubenskultur zu assoziieren sei.
Herrn Lektor Bruno Frisch sei für die freundliche und sorgsame verlegerische Begleitung des Projekts, Frau Miriam Rose sehr herzlich für die Erstellung der Register gedankt.
Peter Neuner Gunther Wenz