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EINLEITUNG
§ 1. Die Aufgabe, die Gültigkeitsgrenze und die Einteilung der klassischen Mechanik
I. Die Mechanik ist der Teil der Physik, der sich mit der Bewegung materieller Körper befaßt. Ihre Aufgabe ist die Bestimmung der Bewegungsgesetze (und der Bedingungen der Ruhe). Wie bei jeder Naturwissenschaft beruhen auch die Gesetze der Mechanik letzten Endes auf der Erfahrung, dem Experiment, und müssen durch Messungen zu kontrollieren sein. Dies bedeutet jedoch nicht, daß die Mechanik ihre Aufgaben hauptsächlich auf experimentellem Wege, d.h. durch eine induktive Methode, löst. Im Gegenteil, in der Mechanik steht seit langem die theoretische Methode, die mathematische Deduktion im Vordergrund. Das liegt zum großen Teil daran, daß die Mechanik jener Teil der Physik ist, in dem es zuerst und im relativ größten Maße gelang, die Zielsetzung der theoretischen Physik zu verwirklichen, d. h., es gelang durch Verallgemeinerung von Erfahrungen einige allgemeine Grundsätze - Axiome - aufzustellen, aus denen die speziellen Gesetze der einzelnen Erscheinungen auf mathematischem Wege ableitbar sind.
Infolge der glänzenden Erfolge, die die Mechanik auf diesem Wege erreicht hat, wurde es bis Ende des 19. Jahrhunderts angenommen, daß jede physikalische Erscheinung auf eine mechanische zurückgeführt werden könne. Obgleich diese Annahme eines sogenannten mechanischen Weltbildes nach unseren heutigen Kenntnissen nicht vertretbar ist, stellt die Mechanik doch die allgemeine Grundlage der Physik dar. Die in der Mechanik entwickelten Grundbegriffe (Masse, Kraft, Impuls, Arbeit, Energie usw.), die Prinzipien und Methoden der Mechanik sind auch in den anderen Teilgebieten der Physik so bedeutsam, daß außer historischen und didaktischen Gesichtspunkten schwerwiegende objektive Gründe dafür sprechen, daß wir unsere theoretisch-physikalischen Studien mit der Mechanik beginnen.
2. Die vorliegende Darstellung ist der klassischen Mechanik gewidmet. Ihre eigentliche Grundlegung ist Newton zu verdanken, der die großen Leistungen von Galilei, Kepler, Descabtes, Huygens und anderen mit seinen eigenen Ideen zu einem einheitlichen System zusammenzufassen vermochte (1687). Die NEWTONsche Mechanik wurde von den Mathematikern und Physikern der
1 Budö, Mechanik