Bővebb ismertető
Seit Aristoteles haben die Theoretiker der dramatischen Dichtung das Auftreten epischer Züge in diesem Bereich an den Pranger gestellt. Wer aber heute die Entwicklung der neueren Dramatik darzustellen versucht, kann sich zu solchem Richteramt nicht mehr berufen fühlen: aus Gründen, über die er sich und seinen Lesern einleitend Klarheit zu verschaffen hat. Was die früheren Lehren vom Drama berechtigt, die Erfüllung des dramatischen Formgesetzes zu fordern, ist ihre besondere Formkonzeption, die weder Geschichte noch Dialektik von Form und Inhalt kennt. Im dramatischen Kunstwerk erscheint ihnen die vorgegebene Form des Dramas durch Vereinigung mit einem in Hinblick auf sie ausgewählten Stoff verwirklicht. Mißlingt diese Realisierung der vorgegebenen Form, trägt das Drama unerlaubte epische Züge, so wird der Fehler in der Wahl des Stoffes gefunden. In der Poetik des Aristoteles heißt es: »Der Dichter muß [...] sich daran erinnern, seine Tragödie nicht episch zu gestalten. Unter episch verstehe ich aber einen vielstoffigen Inhalt, wie wenn jemand zum Beispiel den ganzen Stoff der Ilias dramatisieren wollte.«1 Auch die Bemühung Goethes und Schillers um die Unterscheidung von epischer und dramatischer Dichtung hatte zum praktischen Zweck, die falsche Stoffwahl zu verhindern.2 Diese traditionelle Auffassung, der die ursprüngliche Zweiheit von Form und Inhalt grundlegend ist, kennt auch die Kategorie des Geschichtlichen nicht. Die vorgegebene Form ist historisch indifferent, geschichtlich ursprünglich nur der Stoff, und das entstandene Drama erscheint, dem gemeinsamen Schema jeder vorhistoristischen Theorie ent-