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Vorwort
Vor genau 100 Jahren erschien im damals noch jungen Verlag Urban Schwarzenberg der erste Band von Eulenburgs „Realencyclopädie der gesamten Heilkunde". Das Werk wurde von den Rezensenten zwar gelobt, der Sinn dieses verlegerischen Wagnisses dagegen skeptisch beurteilt. Vier Jahre und fünfzehn Bände später jedoch war nicht nur der große Erfolg eingetreten — die Auflage war vergriffen, vier weitere folgten —, es war auch eine lange Reihe medizinischer und naturwissenschaftlicher Enzyklopädien und Lexika begründet und der Durchbruch für Urban Schwarzenberg als wissenschaftlicher Verlag geschafft.
In konsequenter Weiterentwicklung dieser Tradition arbeitet seit 1961 in der Lexikonredaktion des Verlags ein ausgesuchtes Team von Spezialisten, die von 1966-77 das „Reallexikon der Medizin" konzipierten und herausbrachten. Stand bei diesem Mammutunternehmen der Wunsch nach der wissenschaftlichen Aufarbeitung der medizinischen Terminologie und ihrer Randgebiete im Vordergrund, so galt es hier, dem hoffentlich erwartungsvollen, vielleicht wiederum skeptischen, sicher aber kritischen Lesern mit dem „Handlexikon der Medizin" ein übersichtliches und doch umfassendes Nachschlagewerk in die Hand zu geben.
Dr. med. Günter Thiele in Zusammenarbeit mit Dr. med. Dagobert Tutsch, Dr. rer. nat. Heinz Walter und den übrigen Mitarbeitern und Autoren der Lexikonredaktion haben es geschafft, nur drei Jahre nach Abschluß der Arbeiten am Reallexikon die 2 Bände des Handlexikons, des „Thiele", wie es wohl bald genannt werden wird, der Öffentlichkeit vorzulegen.
Die Konzeption des Handlexikons geht davon aus, daß die Anforderungen eines am Krankenbett oder in der Praxis tätigen Arztes an „sein" Nachschlagewerk andere sein müssen als die eines Studenten, einer Krankenschwester oder Sprechstundenhilfe. Die knappen, auf das wesentliche gerichteten Begriffserklärungen mit vielfältigen Vernetzungen und Querverweisen sind darauf ausgerichtet, dem Arzt, der bei der zunehmenden Spezialisierung seines Berufs zwangsläufig mit neuen Begriffen konfrontiert wird, eine handliche Kommunikationshilfe für seine tägliche Arbeit zur Verfügung zu stellen. Ausgewählte Abbildungen, Graphiken, Schemata und Formeln sollen die Texte der einzelnen Stichwörter ergänzen und veranschaulichen.
Verlag und Redaktion sind stolz, dieses Werk vollbracht zu haben und hiermit der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.
München, im August 1980 Michael Urban