Bővebb ismertető
ERSTES BUCH
Erstes Kapitel
Thirza Gare war damals vier Jahre alt, und sie pflegte später zu sagen, ihr Leben habe mit jenem Ereignis begonnen. Jedenfalls stellte es ihre früheste Erinnerung dar:
Mit Mairgret, ihrer Schwester, saß sie auf dem Gipfel des Abhangs. Mairgret zählte damals elf Jahre und diente ganz auf der anderen Seite der Welt, in BanfF - siebzehn Meilen weit fort! Sie arbeitete dort bei einer freundhchen, christlich gesinnten Famiüe, die ihr jedes Jahr vier Tage Urlaub gab, von denen der erste imd der letzte Tag für die Reise fortfielen, so daß ihr also zwei volle Tage für zu Hause verbHeben. -Es war am zweiten dieser Tage, der ganz besonders schön war. Der Himmel wölbte sich wolkenlos, und so weit das Auge auch reichte, ruhte das Meer tiefblau und stül. Vor einer Stunde hatte im Frithi die Flut eingesetzt, und das Wasser hatte begonnen, in der Kaysie-Bai anzusteigen. Sanft plätscherte es gegen die Maiden Rocks, überspülte die Klippen und kroch langsam den langen Sandstreifen empor, der sich wie ein Zwickel in den Einschnitt der Stadt einfügte.
Die Stadt Kaysie lag auf den beiden weit hingelagerten Landzungen, von denen die Bucht eingerahmt wurde. Auf der linken Landzunge waren das Fischerdorf und die Hafenanlagen, auf der rechten erhob sich die eigentliche Stadt. Die Lynn trennte die beiden, doch wurden sie, kurz bevor der Fluß seine letzte S-Windung um die kie-sehge Sandbank herum machte, ehe er in die Kaysie-Bucht einmündete, durch Telford's New Brig, die die Lynn überspannte, wieder vereinigt. (Jedoch nur in Stein.)
Kaysie lag an der Ostseite der Bucht inmitten sanft ansteigenden, grünen Weidelandes, ein schönes, altes Städtchen mit all dem dazu nötigen Zubehör: dem Scloloß, der »Auld Kirk« mit weit sichtbarem Kirchturm, dem Marktplatz mit seiner mit vier Zifferblättern ausgerüsteten Turmuhr, der Bank, dem Gefängnis, dem alten, historischen Friedhof, dem Park, der Schule und siebenundzwanzig Gasthöfen. Seine Hauptstraßen hatten breite Fahrbahnen, auf denen zwei Postkutschen ohne weiteres aneinander vorbeifahren konnten, und schon
' schottisch: Meeresbucht.
seit drei Jahren wurden diese Straßen sowie auch die Gassen, in denen Wohnungen von Ratsherren lagen, durch Gas hell erleuchtet.
Das Fischerdorf hingegen bestand aus einem Gewühl strohgedeckter Hütten, die sich ganz willkürlich an den unteren Teil des Abhangs, der sich oberhalb des Hafens hinzog, anklammerten. Diese Katen lagen mehr Schicht- als straßenweise übereinander, und jede zufällige Schicht wurde mit der darüberliegenden durch Gehsteige verbunden, auf denen zwei Menschen nicht ohne weiteres aneinander vorbeigehen konnten! - Die Annehmlichkeiten des Lebens bestanden aus einem Halbdutzend Ladenbüdchen; und es gab keine gasheUen Straßen und auch keine Gasthöfe, da die Obrigkeit »aus Furcht vor Mißbrauch« nicht geneigt war, Lizenzen hierfür zu gewähren.
Den Kernpunkt des Fischerdorfes bildete der Hafen. Er wurde von drei Kaimauern umschlossen, bestand aus einem inneren und einem äußeren Becken mit einem Gesamtflächenraum von fast fünf Acres, und hatte den großen Vorzug, bei jedem Stand von Ebbe und Flut befahrbar zu sein. Mit der Front dem Meer zugewandt lagen die Seilerei, die Lagerhäuser der Moray-Frith-Getreide-Gesellschaf t, J. Mair Söline, Schiffslieferanten für Lebensmittel, der Laden des Segelmachers, zwei Fischpökeleien und ein Durcheinander geteerter Holzschuppen.
An diesem Tage, dem 3. August 1847, herrschte ungewöhnliches Leben und Treiben im Hafen. Etwa vierzig bis fünfzig Fischerboote lagen eng aneinandergedrängt an der Kaimauer des inneren Beckens, und am Nordpier, der die Becken voneinander trennte, wurden ein Schoner und eine Brigantine geladen. Fischer hatten sich das ganze Ufer entlang in Haufen zusammengerottet; vor den Türen der dort liegenden Läden standen Neugierige, und aller Blicke waren zum Nordpier auf die Schiffe gerichtet und auf die Soldaten, die sie beluden.
Es war ein windstiller, sehr schöner Tag. Die sattsam bekannte Wäsche der Frau MacKay, die immer quer über den Gipfel des Abhangs gespannt war, hing von ihrer Leine so schlaff wie Inlandswäsche herab, ja, nicht einmal in den langen Hosenbeinen zeigte sich die geringste Bewegung. Die Geräusche des Hafens da unten stiegen ganz deutlich zu den beiden Kindern empor, die oben am Ende der Bleiche auf einem kleinen Sandflecken lagen. Deutlich konnten sie das Klappern der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster vernehmen, das Rollen der Wagenräder zwischen Kornspeicher und Mole, das Quietschen der Ladebäume, das dumpfe Klatschen der auf Deck aufprallenden Ballen, die kurzen Kommandorufe der Offiziere und - vollkommen ungewohnt - das dumpfe Stimmengewirr, das drohend von den um den Hafen herumstehenden Fischern zu ihnen heraufdrang.