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Prolog Wittenberg
Der erste Frost hat den Erdboden gehärtet und das Wasser in den Fahrtrinnen mit Eis überzogen.
Kahles Gesträuch, eine blasse Sonne, Stille.
Ein Mann stampft mit schweren Schritten den Boden. Sein faltiger, mit Pelz ausgeschlagener Mantel reicht bis auf die Knöchel. Der offene Ausschnitt läßt einen schwarzen Chorrock hervorblicken. In den weiten langen Ärmeln verschwinden die Hände fast ganz. Die flache Samtkappe läuft an beiden Seiten des Kopfes in zwei Klappen aus, die das Ohr halb bedecken.
Die breite Stirn des Predigers ist mit Schweißtropfen bedeckt. Er nimmt die Kappe ab, das schwarze, wellige Haar klebt am Kopf. Eine Strähne fällt übers linke Auge, sie ist mit weißen Fäden durchzogen, dunkles Haar altert rasch. Er könnte für einen Vierziger gelten, hat aber gerade erst die Dreißig erreicht. Sein Gesicht zeigt die Blässe langen Gefangenseins in Stuben, Klosterzellen, Sakristeien. Alles ist grau in diesem Gesicht, wie die Erde nach dem Winter: Haarsträhnen, Augen, die Haut, die großporige Nase, der Mund mit der eingezogenen Oberlippe.
Märzlandschaft, alles ist überstanden, alles wird neu.
Noch drei Stunden, dann ist Müntzer in Wittenberg.
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