Bővebb ismertető
Als ich 5 Jahre alt war, wollte ich Stricken und Häkeln lernen, da aber schenkte mir Onkel Josef einen Kasten mit kräftig auftragenden Deckfarben. Das hätte er nicht tun sollen, denn jetzt war ich zum Kunstmaler geworden, jetzt strich ich jede Wand an, jeden Stuhl, jede Fensterbank. Dann entdeckte ich auch noch, daß Ofenruß mit Salatöl angemacht, ein tiefes Schwarz ergab
Eines Tages als mich die Stillebenmalerei zu langweilen begann, wandte ich mich dem Portrait zu. Portraits schienen mir auch verkäuflicher zu sein. Es kam dabei auf die Ähnlichkeit an, vor allem auf die geistige Ähnlichkeit, wie mich Onkel Josef belehrte. Dies »Geistige« auszudrücken war eben meine Absicht. Große Nasen drückten starken Willen aus. Ich versah also alle meine Modelle mit großen Nasen, übergroßen. Auch das Kinn war für die Darstellung einer geistigen Haltung von Bedeutung, die Augen, die Augenbrauen und die Ohren. Große Ohren wiesen auf eine feine Musikalität hin.
Ich fragte also jedes meiner Opfer, ob es Klavier spiele, und je nach der Antwort formte ich die Ohren. Mit dem Hinterkopf war es genauso.
Wer über diese Bedeutung Bescheid wußte, dem konnte - streng wissenschaftlich jedenfalls -gar kein Portrait mißlingen. Das wenigstens behauptete mein Onkel Josef, der nach diesem Prinzip einmal Sokrates in Stein geschlagen hatte.
Onkel Otto bezeugte mir, daß meine Portraits einmalig seien, pro Stück mindestens fünfzig Pfennige wert.
Onkel Hans dagegen hielt nichts von der geistigen Ähnlichkeit meiner Portraits. Für ihn bestand das Charakteristische einer Person in der Körperfülle, im „Vertrauensbauch", den nach Stefan Zweig kein besserer Geschäftsmann entbehren könne.
Deshalb wollte mein Onkel Hans dick sein. Ihm zuliebe rundete ich sein Bäuchlein, gegen einen Aufpreis von zehn Pfennig, zu einer richtigen Wampe auf.