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geboren 1938 in München lebt in Gauting
Zuweilen ist es ein Vorteil, wenn einer, der malt, es nicht alle Tage tun muß: wenn eine ganz andere Arbeit ihn bindet, wenn Alltägliches ihm abverlangt wird, das ihm die Freiheit verschafft, in der Malerei die persönliche Form zu finden. Spannungen zwischen demeinen und dem anderen entstehen, werden bewältigt und umgesetzt: ein Kraftfeld besonderer Art. Für Thomy Niederreuther ist Nachfolge zugleich Erbe und Fortgang g in Freiheit gewählt nach eigenem Mögen und und Können: er malt, er schreibt, er ist Kaufmann. Reisen, Ruhe, Konzentration, die Auswahl des Notwendigen, der Reflex des
Gesehenen, jede frische Entdeckung und jede Nachdenklichkeit — niemals ist Niederreuther nur der eine und nicht auch — hinter Maske und Habit — ein anderer. Im scheinbar Alltäglichen sieht er das Unheimliche, in der Form die Unform, im scheinbar Sicheren sieht er den Zufall, die Willkür und die Veränderung: nur der Wechsel ist beständig, Wachstum und Vielfalt sind Prinzip des Organischen wie des Anorganischen. Der Wandel ist das Bleibende.
Wenn Niederreuther die Raistinger Erdefunkstelle malen will, die Bodenendstelle eines Satelliten-Funksystems, werden
es keine Abbilder physikalischtechnischer Apparaturen, sondern wiederum Naturformen. Das Erscheinungsbild der Informationstechnik stellt sich gar nicht ein, es erfährt Mutationen, es werden Quallen daraus, Polypen, Unterwassergeschlinge, Saugrüssel.
Idyllische Landschaft könnte es sein, bieder und naturbelassen. Gleichwohl findet der Maler auch im Leutstettener Moor nicht den Frieden, der ihm gebührt, sondern weiland Dämonenspuk, allerhand Marsmännlein und weiteres Koboldgelichter.