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Statt eines Vorworts — Gedankenflug und prüfende Einkehr
U'm hunderttausend Jahre dreht das Rad der Zeit zurück, vielleicht um noch viel mehr Es ist Nacht. Irgendwo im Norden der W^elt wagt sich ein seltsames Säugerwesen hervor aus seinem dumpfen Höhlenschlupf und blickt — zum erstenmal — mit Bewußtsein empor ins klare Firmament: der Mensch entdeckt die Sterne I
Gewiß hat jener Vorzeit-Mann zunächst nur Furcht empfunden vor den funkelnden Lichtaugen über sich; aber durch ihn ist — unzerstörbar für alle Zukunft—die Verbindung hergestellt worden zwischen der irdischen Enge und dem unendlichen All. Immer wieder schauten nun die nachfolgenden Menschengeschlechter hinauf zum leuchtenden Nachthimmel; ihre Phantasie, ihre Ängste und ihre Sehnsucht formten und belebten die weit verstreute Masse der großen und der kleinen, der stillen und flackernden Sterne. Hoch über Berg und Wald, über Wolken und Wind müssen die geheimnisvollen Schicksalsmächte wohnen; der Mensch schuf sie sich selbst, indem er die gefürchteten und die begehrten Tiere seiner kampferfüllten Tages-Umwelt beschwörend auferstehen ließ auch am nächtlichen Sternenzelt: Götter zeigen sich dort und viele Dämonen, der Löwe, ein Skorpion, Stier, Bär, Drache und Widder; sogar eine Schlange windet sich glitzernd durch den schwarzen Samt der Nacht. . .
Diese ,Sternbilder' sind wahrscheinlich der Beginn aller Himmelskunde gewesen; sie sind die frühesten Wegweiser des abergläubischen Herzens. Über lange Zeitläufte hinweg tastete sich die zur Kultur erwachende Menschheit vor ins klare Licht der Erkenntnis, bis dann in einer gnadenvollen Stunde die Erforschung der kosmischen Gesetze begann.
Nun berechnete der menschliche Verstand den (scheinbaren) Jahresumlauf der Sonne, den Wandel des Mondes und gewisser Sterne, der Planeten. Alle diese Bewegung geschah innerhalb des gleichen Gürtelbandes, das sich aus uralten Sternbildern am Firmament zusammenfügt. Weil die meisten jener Fixstern-Gruppen Tiersymbole sind, nannte man die hohe Himmelsstraße den Tierkreis, der in zwölf gleich große Tierkreis-Zeichen gegliedert wurde.
Keine Überlieferung meldet uns, wann und wo dies geschah. Vielleicht prägten das Wort .Tierkreis' die Kulturvölker des Mittelmeerraums in den letzten Jahrtausenden vor der Zeitwende; vielleicht taten es schon früher die Chinesen oder ein Maya-Priester. Auf alle Fälle hat dieser himmlische Tierkreis auch in unserer Gegenwart seine Bedeutung nicht verloren: als die Ekliptik der heutigen Astronomie kündet er groß und unvergänglich vom Streben des Menschengeistes, selbst die fernste Ferne ordnend zu ergründen und die Einheit unseres Sonnensystems augenfällig zu machen.
Dem gegenüber ist nun der Tierkreis dieses Buches winzig klein; er umrundet nicht das ewige All, sondern unscheinbar und still das Herz des Naturfreundes. Aber auch hier wirkt eine große Kraft: die Liebe zu den lebendigen Geschöpfen unserer irdischen Welt! Ihr Atem durchpulst gleichermaßen den Kreis und das Herz; wo immer ein Mensch bereit ist einzuschwingen, empfängt er Freude, Schönheit und Glück.