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Tizian ... verdient von Künstlern geliebt und beachtet und in vielen Dingén bewundert Und nachgeahmt zu werden, als jemand, der Werke ausgeführt und noch ausführt, die eines unendlichen Lobes würdig sind und dauern werden, solange das Andenken berühmter Menschen bestehen kann. Die geniale Begabung und schöpferische Kraft dieses Meisters, von dem Giorgio Vasari 1j 50 in seinen Viten mit so hoher Anerkennung spricht, konnten nur im Venedig der Renaissance zu voller Geltung gelangen. Die Republik und Handelsmetropole nahm im Gefüge des zersplitterten, in Stadtstaaten gcteilten Italicn lange Zeit eine Sonderstellung ein. Ihre geographische Lage ermöglichte einen ausgedehnten Handel mit den östlich an der Küste des Mittelmeeres gelegenen Stádten Klcinasicns, Syriens und Ágyptens. Auch als Kolonisator trat Venedig in Erscheinung. Diese Beziehungen brachten das Einfliefien orientalischer Kultur- und Lebensformen mit sich, denen sich die Lagunenstadt ebenso bereitwillig wie anderen Einflüsscn aus italienischen Nachbarlandschaften und angrenzenden Lándern öffnete. Den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, der spanischen Herrschaft und der von ihr ausgehenden Gegenreformation konnte Venedig sich entziehen. Der Verlust der Kolonien an die Türkén, und die Verlagerung des internationalen Seehandels auf den Atlantischen Ozean in der zweiten Hálfte des 15. Jahrhunderts hatten zwar eine erhebliche Einbufie der zentralen Macht zur Folge; die Republik, von einer weitgreifenden Verwaltung mit dem Dogén an der Spitze régiért, erhielt sich. jedoch ihre freie Ordnung. Sogar dem Papst gegenüber bewahrte Venedig .seine Selbstándigkeit und blieb beharrlich eigenen religiösen Traditionen treu. Dieser scheinbare Widerspruch zwischen liberaler geistiger Haltung und der Erstarrung bürokratischer und zeremonieller Formen beruhte auf der patriotischen Haltung der Venezianer, die der Stadt, dem Schmuckund Glanzstück italienischer Würde (Bernardo Tasso), um jeden Preis ihre Bedeutung erhalten wollten. Auch die Kunst wurde in Venedig Mittel der Reprásentation. Ihre ofíizielle Aufgabe zeigt sich besonders an den monumentalen Gemálden des Dogenpalastes, die die Geschichte der Republik hervorheben. Diese grófién Aufgaben hatte der beamtete Maler der Signoria zu leiten, 5an ihn ergingen auch die Auftráge für die Portráts des jeweils herrschenden Dogén. Wáhrend anderenorts, etwa in 'Florenz, die Maler hauptsáchlich von Zünften und Bruderschaften bescháftigt wurden, setzte Venedig den Künstler direkt zur Verherrlichung seines Staatswesens ein. Der Reichtum seiner Kaufleute brachte zahlreiche Palásté mit kostbarer Ausstattung und zauberhaften Gárten hervor. Zu einer Zeit, da die Machtstellung Venedigs bereits geschwácht war und in ganz Italien die Position der herrschenden Fürstenfamilien ins Wanken geriet, als Skrupellosigkeit und Dekadenz auch von der geistlichen Führung Besitz ergriffen, trug die Renaissance ihre schönsten Früchte. Italien erhob sich zu einer ungeahnten Blüte der Kunst, die wie ein.Widerschein des klassischen Altertums erschien und die nie wieder erreicht worden. (Friedrich Engels) Die Renaissance liefi die Enge und Gebundenheit des Mittelalters.weit hinter sich zurück und stellte auch der Kunst neue Aufgaben. Neben religiösen Themen griff man jetzt allegorische und mythologische Stoffe auf und beschritt mit der Einführung wissenschaftlicher Methoden (etwa der Linearperspektive) bislang ganz unbekannte Wege in der Kunst. Das Interesse an Proportionen und am anatomischen Bau des menschlichen Körpers schlug sich in praktischen und theoretischen Studien - zum Beispiel bei Leonardo und Dürer - nieder. Der selbstbcwufite Renaissancemensch besann sich seiner Bedeutung; er wünschte nunmehr, sich im Bild dargestellt zu sehen. und darin fortzudauern. Damit war die Gattung des Portráts ins Leben gerufen. Die Künstler andererseits traten aus der Anonymitát heraus und erreichten eine geachtete Stellung im öffentlichen; Leben. Man sammelte jetzt ihre Arbeiten, und seit Beginn des 16. Jahrhunderts wirkten in breitem Mafie die Bedürfnisse privater Liebhaber auf die gesamte künstlerische Produktion ein. SchlieBlich wurden Werk und Urheber zum Gegenstand der Kunstgeschichtsschreibung, die Vasari 1550 mit seinen Lebensbeschreibungen der berühmtesten Ardiitekten, Maler und Bildhauer begründete. Bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert hatte Venedig keinen entscheidenden Anteil an der Ausbildung der neuen Kultur und Kunst. Auf dem Gebiet der Maierei konnte es sich erst mit Tizian neben Florenz und Rom behaupten, erst sein Werk vermag neben dem Leonardos, Michelangelos und Raffaels zu bestehen. Aus Pieve di Cadore, einem kleinen Gebirgsort am Fufie der Dolomitén, kam Tiziano Vecellio in noch knabenhaftem Altér nach Venedig. Hier sollte er zusammen mit seinem Brúder das Malerhandwerk erlernen. Drei zeitgenössische Quellen berichten mit Abweichungen über sein Leben und Werk: Giorgio Vasari, Künstler und Kunst5