Bővebb ismertető
Tizian gehört nicht zu den Künstlern, die den heutigen Betrachter fesseln, denn die Gegenwart zeigt für die archaischen Perioden mehr Verstándnis als für die klassischen, mehr Sinn für das Ethnische als für das Ethische, für das Psychologische mehr als für das Geistige. Es wird zwar nicht bestritten, dafi Tizian als Maler, Künstler, Persönlichkeit eine höchste Verkörperung der italienisdien und europáischen Kultur darstellt, aber er steht dem heutigen Empfinden weniger nahe als etwa Tintoretto, Grünewald, Rembrandt oder Goya. Er wird nicht kritisiert, aber nicht gesucht. Vielleicht hatte Delacroix recht, als er meinte, man müfíte 150 Jahre alt werden, um Tizian zu verstehen. Die Kunstwissenschaft, aus einem idealistischen Prinzip hervorgegangen, konnte den richtigen Mafístab für Tizian lange nicht finden, da dieser weder als Klassiker noch als Reálist, weder als artistischer Maler noch als sensualistischer Renaissancekünstler angesprochen werden kann. Gewifí war die Farbe das Element, aus dem Tizian seine grofíe Kunst entwickelte, aber die Linie als raumbildende Kurve spielte bei ihm kaum eine geringere Rolle als die Farbe. In diesem Buche wird versucht, die Kunst Tizians weniger aus einem Stilbegriff, aus einer Entwicklung, aus einem historischen Moment zu verstehen, als aus den Eigenschaften, durch die er sich über Schule, Ort und Zeit erhob. Er hat die Kunst als Urphanomen erfafit und zur Wirkung gebracht. Den Gelehrten, die ihre Arbeit dem Gesamtwerk Tizians oder einzelnen Gebieten seiner künstlerischen Tátigkeit gewidmet habén, wie besonders Crowe und Cavalcaselle, Gronau, Suida, Hourticq, Hetzer, Tietze, Hartlaub, Panofski weifí sich der Verfasser zu grofiem Dank verpflichtet. Ulridi Christoffel