Bővebb ismertető
Wir zählen Tizian zu den ganz großen Persönlichkeiten, in deren Wirken wir das Wesen ihrer Zeit deutlich zu erkennen vermeinen. Nicht, als ob wir in diesem Renaissancekünstler sämtliche Eigenschaften des Geistes der Renaissance vereinigt fänden: wie keine Periode vorher und wie ganz wenige Epochen nachher, schafft diese Zeit auf politischem, sozialem, religiösem und jedem kulturellen Gebiete eine solche Fülle der Möglichkeiten für den Gestaltenden, daß sie sich nicht allesamt in einem Einzigen, auch im Vielseitigsten nicht, auswirken können. Aber Wesentliches vom Geiste der Renaissance lebt in Tizian. Vor allem eine ungeheure Lebensenergie im schönsten Verein mit rastlosem Trieb zum Schaffen. Als ihn 1576 die Pest dahinrafft, ist ihm, dem Neunundneunzigj ährigen, der Tod kein Freund, der ihn von den Übeln des Alters erlösen müßte. Das Greisentum hat keinen We ihm gefunden; je älter er wird, um so steilere betritt er. Die Werke aus seinem letzten Jahrzehnt scheinen dem drängenden Geiste leidenschafterfüllter Jugend entsprungen zu sein. Es sind seine dramatischsten; sie gehören zu den stärksten seines Jahrhunderts und weisen hinüber weit in das folgende.
Alle seine Werke scheinen geschaffen unter stärkster Anteilnahme des ganzen Menschen; immer scheint er ganz der Sache, ganz dem Werke hingegeben. Mag es auch manchmal den Anschein haben, als ob er in Hinsicht auf die Bildgegenstände einem Besteller gefällig wäre, so ist ihm doch immer die Kunst die oberste Gesetzgeberin. Trotzdem aber verbraucht sich seine Persönlichkeit nicht in dieser Hingabe an das Werk, und er wird nicht zum weltfremden Romantiker.
Wie all die großen Zeitgenossen seines Landes —
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