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as Gesicht des Menschen ist ein Spiegel seiner Leidenschaften — so lautet ein häufig wiederholtes Wort, Mehr noch als die Haltung des Körpers oder die Geste vermag das Anthtz den Regungen des Gemütes zum Ausdruck, zur „Schrift" zu verhelfen. Und vor allem die sogenannten großen Leidenschaften prägen sich im Spiel der Gesichtsmuskeln aus: Freude, Schwermut, Zorn, Angst. Selbst das Kind vermag manche Affekte aus den Zügen der Mutter schon zu einer Zeit abzulesen, in der es bewußt von diesen Leidenschaften noch nichts weiß, und auch manche Tiere reagieren deutlich verschieden auf die wechselnden Ausdrucksbewegungen des Herrn. Aber auch feinere Regungen des Mitmenschen werden uns bei einem Blick auf sein Gesicht bewußt : wir sprechen ungern mit einem unsichtbaren oder abgewandten Menschen. Und zumal wenn es sich darum handelt, mit jemandem eine wichtige Entscheidung herbeizuführen, wollen wir ihm frei „ins Auge" sehen. Vieles von dem, was wir Menschenkenntnis nennen und unbewußt alltäghch anwenden, beruht in der kaum formulierbaren, doch äußerst realen Einfühlung in die Mimik des Gegenübers.
Mancherlei seltsame Meinungen sind über die mimischen Bewegungen geäußert worden. Lebrun (1667) hielt die Bewegung der Augenbrauen für besonders bedeutungsvoll, weil er auf den Traité des passions von Descartes vertraute und deshalb auch an den Sitz der Seele in der Zirbeldrüse glaubte. Da aber die Augenbrauen diesem Gehimanhang angebUch örtlich am nächsten liegen sollten, deshalb galten sie ihm als besonders abhängig von der Seele. Descartes selbst (Passiones animae 1664) verzweifelte an der Beschreibbar-keit der Mimik; — die individuellen Verschiedenheiten seien so groß, daß manche Menschen beim Weinen dasselbe Gesicht schneiden, wie andere beim Lachen. Ein anderer Erforscher der Mimik, Peter Camper (1791), glaubte, daß jeder Affekt seinen bestimmten Nerven zu seiner Verfügung habe und dieser nun auf der Klaviatur der Muskeln des Antlitzes gleichsam spielen könne.
Es ist seltsam, daß es der Wissenschaft nicht gelingen will, das Wesen dieser von jedem vollzogenen, von jedem beobachteten Mimik zu ergründen. Zwar kennt man (besonders seit Duchenne 1862) genau die Lage aller jener feinen Muskelzüge, die die Träger der mimischen Funktionen sind, zwar hat man bei der Reizung dieser Muskeln durch den elektrischen Strom durchaus Gelegenheit, auch experimentell ihre Wirkung zu beobachten, aber im gleichen Augenblick, in dem wir den mimischen Augenblickszustand des Gesichtes in Einzelheiten zerlegen, zerstören wir seine Form, seine „Ge-