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EINLEITUNGls Kernpunkt vincianischer Texte, von denen ein Sammelband Leonardo da Vinci, der Denker, Forscher und Poet" schon früher bei Eugen Diederichs verlegt worden ist, erscheint hier Leonardos berühmter Traktat von der Malerei, und zwar in der so schönen und tief durchdachten Gestalt, die wir Heinrich Ludwig verdanken. Zum erstenmal wurde das Buch 1882 gedruckt, bei Wilhelm Braumüller in Wien, als Teil der Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance", die mit Unterstützung des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht in Österreich herausgegeben werden. Ihm liegt der beste und vollständigste Text zugrunde, den wir von dem Traktat heute noch besitzen, und Heinrich Ludwig war der Mann, diesen Text uns zugänglich, ja, ihn uns praktisch nutzbar zu machen. Er hatte für seine Aufgabe alles, was ihr not tat; er war selbst Maler, er besaß den Scharfsinn des Urteils, die zähe Beharrlichkeit des Willens, die Tüchtigkeit der Bildung, das unentbehrliche technische Wissen. Er kannte den Traktat nicht bloß, er hatte als Künstler ihn Punkt für Punkt durchprobt und angewendet; er verstand ihn, wie man dergleichen verstehen sollte, von innen, aus dem Herzpunkt der Sache heraus, nicht bloß nach dem Wortlaut und Wortsinn, wie wir es tun. Und in der gleichen Weise kannte er die kunsttheoretischen Schriften der Vorgänger, der Nachfolger Leonardos, den Vitruv, Cennino Cennini, Leone Battista Alberti, Piero della Francesca, Dürer, Lomazzo, Barbaro, Pietro Accolti, Pozzi usw., kannte sie und sah sie in die Werke einer großen Zeit umgesetzt, aus denen noch heute ihre lebendige Beweiskraft strömt. Er war ein gewandter, ja, ein schöpferischer Stilist, er lebte seit mehr als zwanzig Jahren schon in Rom, beherrschte also das Italienische bis in alle Nuancen der Volks- und Handwerkssprache. Dazu noch prachtvolle Eigenschaften des Charakters, ein feuriges Temperament bei größter Besonnenheit, und jene Selbstentäußerung des wahrhaft Ehrfürchtigen, der nicht den eigenen kleinen Ruhm im Sinne hegt, sondern nur das Werk des Großen, dem er dient. So ausgerüstet trat Ludwig an den Traktat heran. Das Ergebnis seiner jahrelangen Mühen liegt inI Leonardo da Vinci, Traktat von der MalereiI