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Vorwort
Seit die Rittersleute, die im Mittelalter zur Befreiung der heiligen Stätten in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth von den Ungläubigen in den Orient zogen, unter den Daheimgebliebenen schier unglaubliche Berichte über die dort gesehenen und gehörten Wunder verbreitet haben, ist die Welt der islamischen Völker, insbesondere der des östlichen Mittelmeerraums, als eine Welt der Märchen und der traumhaften Unwirklichkeit ins Bewußtsein des Mitteleuropäers eingedrungen. Als diese fremde Welt dann später mit den türkischen Heeren, ihren Reiterscharen und schweren Kanonen in aller Realität an die Pforten des Abendlandes pochte, war der Orient eher ein Alptraum für die christlichen Herrscher und ihre Untertanen geworden. Aber bald nach der zweiten und letzten Belagerung Wiens, nachdem also die Gefahr gebannt schien, begannen Dichter und andere Phantasten wieder von den Wundern des Orients zu träumen.
Vor allem die Türkei und ihre wundersame Hauptstadt Istanbul erregten die Phantasie der Romanschriftsteller, der Opemlibretto-Schreiber, der Komponisten, der Lyriker und auch der bildenden Künstler. Die wenigen realistischen Berichte über diese Region woirden zu einer Straße der Träume in die Welt der Sultane, der Minarette, der verschleierten Schönen und der Abenteuer auf Karawanenreisen. Heute sind die Straßen, die in die Türkei, entlang ifirer Küsten, durch ihre Steppen und ihre Gebirge führen, meist gut asphaltiert. Einige von diesen Straßen sind viel befahrene Femverkehrswege, über die Lastzüge donnern und auf denen es für den Autofahrer nicht gerade ratsam ist, zu träumen. Aber auch diese Straßen berühren viele touristische Traumziele und gehen durch traumhaft schöne fremdartige Landschaften: Da sind Städte mit prachtvollen Moscheen und mit von Menschen wimmelnden Basaren, idyllische Mittelmeerlandschaften und kahle Hochebenen, antike Ruinenstätten, die zum Teil so gut wie nirgendwo anders im griechisch-römischen Kulturbereich erhalten sind. Man findet die Reste von Kirchen längst untergegangener christlicher Gemeinden, man fährt an üppigen Wäldern und sterilen Salzseen vorbei, sieht prunkvolle Paläste und ärmliche Lehmhäuser. Entlang der Traumstraßen kommt man durch tiefe Schluchten, vorüber an Sperrfestungen, die schon in grauer Vorzeit die Karawanenwege schützten, man durchquert fruchtbare Ebenen und blickt über wunderschöne Buchten hinaus auf ein unwirklich blaues Meer.
Entlang dieser Straßen, in den Dörfern und Städten, in den Teestuben und in Autobussen, in Läden und Bauernhäusern, auf den Märkten und sogar in Amtsstuben eriebt man dazu in der Begegnung mit den Einheimischen eine Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft, die den fremden Reisenden immer wieder überrascht. Daß dieser Bildband zustande gekommen ist, haben der Fotograf und der Schreiber der Texte in großem Maß der Gastfreundschaft und dem herzlichen Entgegenkommen der Türken zu verdanken, denen sie auf ihren Reisen begegnet sind. Das vorliegende Buch soll auf eine Reise in die Türkei einstimmen und helfen, aus der Fülle der überwältigenden Sehenswürdigkeiten die wichtigsten auszuwählen. Nach der Reise soll es dazu beitragen, die Erinnerungen an dieses Land wachzuhalten. Einen Reisefiihrer mit ausführiichen reisetechnischen Hinweisen und genauen Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten und den Wegen zu ihnen kann es nicht ersetzen. Martin Amode